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Deadpool

"Deadpool" hat bereits eine lange Filmgeschichte. Bereits seit 2004 kursierten Gerüchte und Versuche, den ständig verbal entgleisenden Comic auf die Leinwand zu bringen, 2009 enttäuschte ein Auftritt der Figur in dem schwachen X-Men-Spinoff "Wolverine". Und nun hat es doch geklappt, und zwar genauso, wie die Zuschauer es sich gewünscht haben: Ausgezeichnet mit einem R-Rating, was viel Brutalität und eine harte Sprache möglich machte, besetzt mit Ryan Reynolds, der schon immer das Projekt angeschoben hatte. Die Trailer waren vielversprechend, doch kann der Film im Stile von "Kick-Ass" den Erwartungen auch standhalten?

DEADPOOL


Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist ein ehemaliger Special-Forces-Agent und lebt nun mit seiner Freundin Vanessa (Morena Baccarin) zusammen. Alles ist gut, bis bei Wade Krebs im Endstadium diagnostiziert wird. Um sein Leben zu retten, folgt er dem Angebot des mysteriösen Ajax (Ed Skrein), welcher ihm mit Hilfe eines schmerzhaften Experiments das Leben retten und ihm unglaubliche Kräfte verleihen möchte... um ihn dann unter seine eigene Fuchtel zu stellen. Als Wade dabei jedoch schrecklich gefoltert und entstellt wird, sodass er sogar Vanessa nicht mehr unter die Augen treten will, schwört er Rache. Ausgestattet mit vielen Fähigkeiten zieht der großmäulige Ex-Agent nun maskiert als "Deadpool" durch die Straßen, auf der Suche nach seinen Peinigern.

Es hätte ziemlich viel bei "Deadpool" schiefgehen können, denn gerade eine Verharmlosung des schonungslosen und oft unter die Gürtellinie des guten Geschmacks treffende Comics hätte bei Fans wohl für lange Gesichter gesorgt. Aber es darf tatsächlich Entwarnung gegeben werden, denn Wade Wilsons erster Solo-Auftritt im Kino stimmt im Grunde von vorne bis hinten. Schwach auf der Brust bleibt dabei erwartungsgemäß nur die Rahmenhandlung an sich sowie der erneut recht einseitig geschriebene Bösewicht (irgendwie eine Krankheit bei den Marvel-Verfilmungen), ansonsten macht "Deadpool" aber einen Heidenspaß. Der Humor ist treffsicher und sicherlich nichts für schwache Gemüter: Hier wird geflucht, geätzt und Seitenhiebe ausgeteilt, bis es kracht. Der Comic-Vorlage bleibt man dabei mehr als treu, man beschneidet Deadpools große Klappe nicht und lässt ihn immer wieder in perfektem Timing seine Floskeln schwingen. Hierbei einzelne gelungene Sprüche aufzuzählen, kommt einer Unmöglichkeit gleich, da es so viele starke Gags gibt, dass man sie gar nicht alle zählen kann. Auch in den Actionsequenzen macht der Film trotz eines für das Genre recht moderaten Budgets von 50 Millionen Dollar eine erstaunlich gute Figur. Auf die pompöse Epik der "Avengers" beispielsweise muss natürlich verzichtet werden, aber der Film stellt dafür auch viel mehr den Humor und die Schonungslosigkeit in den Vordergrund. Ein krachender Kollateralschaden auf der Autobahn und ein mehr als starkes Finale wissen aber dennoch zu unterhalten. Dass neben dem Humor und massig Action dann auch noch Zeit bleibt, um die Figuren überraschend tief zu zeichnen und ihnen eine gewisse Dramatik zu geben (die sehr oft ironisch gebrochen wird), kann man dem überzeugenden Skript dabei dann gar nicht hoch genug anrechnen. Die tieferen Aspekte wirken dabei innerhalb der Humor-Bomben nie deplatziert und werden sparsam genug eingesetzt, um nicht rührselig zu wirken. Für Fans der Marvel-Reihen gibt es ebenfalls einige Schmankerl, so wurde "Deadpool" tatsächlich sehr genau ins bekannte "X-Men"-Filmuniversum eingefügt, sodass sich einige Schauplätze gleichen und auch die Seitenhiebe gerade gegen Hugh Jackman nicht in Grenzen halten. Schauspielerisch gehört der Film natürlich Ryan Reynolds, der (trotzdessen dass er weitestgehend entstellt oder maskiert herumläuft) dem Werk und auch dem Charakter vollkommen seinen eigenen, sympathischen Stempel aufdrückt. In welchem Tempo und in welchem Witz der hier seine Sprüche raushaut, die dabei niemals gezwungen wirken und eine erstaunlich hohe Trefferquote besitzen, das dürfte sogar Tony Stark Konkurrenz machen. Fazit; "Deadpool" ist ein wahnsinnig spaßiger, actionreicher, schonungslos brutaler und in seinem Humor sehr krasser Film geworden, der die Seele des Comics perfekt einfängt und gut anderthalb Stunden großartige Marvel-Unterhaltung in einem ganz speziellen, härteren Ambiente garantiert.

Note: 2



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