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Cats (2019)

Er gilt schon jetzt als einer der katastrophalsten Flops der jüngeren Kinogeschichte und er deutete sich schon Monate vorher an. Den ersten Trailer zu Tom Hoopers Verfilmung des klassischen Musicals "Cats" zerrissen Filmfreunde vor allem aufgrund der gewöhnungsbedürftigen CGI-Effekte und auch die ersten Stimmen zum Kinostart waren schließlich alles andere als freundlich. Dabei stützte man sich vordergründig auf die Optik, die in dieser Form nicht jedem schmeckte. Ich jedoch, als großer Freund des Original-Musicals, welches ich bislang viermal auf großen Bühnen gesehen habe, hatte mich eigentlich gefreut, sah dies doch originalgetreu und detailfreudig aus. Nun habe ich den Film rund drei Wochen nach dem Kinostart gesehen und muss sagen, dass ich den Kritikern zu Teilen zustimmen muss... aber längst nicht in allen Punkten.

CATS


Jedes Jahr kommen etliche Katzen im Herzen Londons zusammen, um den "Jellicle Ball" zu feiern. Während diesem können sie sich alle bei der alten Katzendame Old Deutoronomy (Judi Dench) vorstellen - diese wählt am Ende der Nacht eine Katze aus, die in den Heavy Sight Lair aufsteigen und ein neues Leben beginnen darf. Die junge Katze Victoria (Francesca Hayward) stößt neu zur Schar und wird in die Gruppe eingewiesen. Dabei lernt sie nicht nur die ausgestoßene Grizabella (Jennifer Hudson) kennen, die ihren Platz in der Schar verloren hat, sondern erfährt auch von den grausamen Missetaten des finsteren Katers Macavity (Idris Elba), der mit bösen Tricks sein Unwesen treibt und unschuldige Katzen entführt...

"Cats" hat in seiner filmischen Version eine Menge Probleme. An einer der vordersten Fronten steht dabei natürlich die gewöhnungsbedürftige CGI-Technik, welche die Schauspieler in vermenschlichte Katzen-Hybriden verwandelt und dabei für teils seltsame Gesichtszüge und Bewegungen sorgt. Und auch wenn man sich nach einiger Zeit an diese seltsame Optik gewöhnt hat - es fallen immer wieder ungemein matschige Texturen auf, so zum Beispiel im Song der Jennyanydots, als plötzlich gar Mäuse und Schaben vermenschlicht werden, was absolut grausam aussieht. Zwar bleibt man hier der Bühnenversion treu, angesichts des ziemlich seltsamen Endergebnisses wäre es aber wohl ratsam gewesen, sich entweder ganz dem Animations-Genre anzubiedern oder die Schauspieler in die aufwendigen Kostüme zu stecken, mit welchen das Musical über etliche Jahre so erfolgreich tourte - das wäre zumindest nicht so seltsam anzuschauen gewesen.
Oder, und das ist der größte Knackpunkt, man hätte auf eine filmische Variante vielleicht einfach verzichtet. Denn obwohl ich "Cats" in vielen Momenten durchaus genossen habe, so lässt sich nicht verhehlen, dass dieser Stoff eben einzig und allein für die Bühne geschaffen wurde. Wo andere Musicals aufgrund ihres stringenteren Plots wesentlich leichter auch in die Lichtspielhäuser zu bringen sind, da tut sich "Cats" mit seiner nichtigen Handlung eben schwerer - das Musical lebt von seinen einzigartigen Choreographien, der grandiosen Musik und der Atmosphäre und all das ist sehr schwer auf die Leinwand zu übertragen, wenn man drumherum nun kaum noch einen narrativen Plot zimmern kann, der das Ganze irgendwie zusammenhält. Und so verkommt auch die filmische Version von "Les Miserables"-Regisseur Tom Hooper zu einer Nummernrevue, die auf der Bühne dank immer wieder erfrischender Choreos, viel Witz und Liebe zum Detail funktioniert, im Kino aber schnell einseitig und ziellos wirkt.
Dies allerdings auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Denn wo die erste Hälfte des Films uns im Grunde nur durch die erwähnten Nummernrevues drängt, in welcher jede Katze einen Song über sich selbst zum Besten geben darf (und diese Nummern sind gerade in der ersten Hälfte der schwammigen Inszenierung wegen nicht gelungen), so hält sich dieser Fokus zwar auch in der zweiten Hälfte, wird aber wesentlich stimmiger. Ungefähr ab dem Auftritt des brillanten Ian McKellen, der auch unter dem Katzen-CGI-MakeUp noch eine erstaunliche Präsenz abnliefert, läuft "Cats" nämlich plötzlich einigermaßen rund und findet seinen inszenatorischen Höhepunkt in einer grandiosen Nummer rund um den Eisenbahn-Kater Skimbleshanks - diesen Song inszeniert Hooper dabei mit Tempo und Verve, liefert einige grandiose Bilder und hat den ganzen Sog plötzlich hervorragend im Griff. Dieses Tempo hält er dann auch fast bis zum Abspann durch, über Elbas Auftritt als finsterer Bösewicht und die legendäre Mistoffellees-Zaubershow, die hier ebenso wie in der Bühnenversion als emotionaler Schneidepunkt der Geschichte fungiert.
Das ist dann auch gegen Ende immer noch nicht perfekt, da der Film dann doch eher mit einem unpassenden, eher unfreiwillig komischen Song ausläuft und ganzzeitig auch der narrative Plot kein Gewicht entfaltet - die ganze Macavity-Nummer verläuft dabei auch im Nichts. Und damit beweist sich, dass ein Film wie "Cats" schon existieren kann, dass es ganz im Gegensatz zu anderen Musical-Verfilmungen aber keinerlei Chance gibt, diesen von der Bühne zu befreien. Es ist an sich ein spannendes, so noch nicht gesehenes Experiment und als solches verdient es gewissermaßen Respekt und Anerkennung. Und dass es in meinen Augen keine komplette Bruchlandung war, sollte man auch erwähnen. Aber... man hätte es auch lassen können.

Fazit: "Cats" wurde mit Hass begegnet und die filmische Version des Bühnenklassikers krankt sicherlich an technischer Seltsamkeit, an einem zusammenhanglosen Plot und faden Nummern. Dass es im direkten Gegensatz aber auch grandiose Songs gibt und Tom Hoopers Inszenierung in der zweiten Hälfte spürbar aufdreht, sollte man zwingend erwähnen.

Note: 3









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