Seit einigen Woche nehme ich mir nun vor, die Kritiken auf diesem Blog, der dieses Jahr sein sechsjähriges (!) Bestehen feiert, etwas zu kürzen. Das liegt daran, dass ich mich noch immer auf einer Tournee befinde und mein geliebter Beruf, den ich nun endlich voll ausleben darf, Zeit und Kraft kostet... was durchaus positiv gemeint. Der Blog als Hobby hat darunter bislang nicht gelitten, trotzdem bleibt zum Schauen etlicher Filme und dem Schreiben ausführlicher Reviews dann weniger Zeit. Vorgenommen habe ich mir also, diese nun etwas kürzer zu halten, sofern es sich um einen Film handelt, bei dem weniger Worte es eben auch tun. Und nun können wir das Ergebnis dieses Plans sehen, denn eigentlich wäre ein Review der Actionkomödie "Ein Vogel auf dem Drahtseil" schon mit wenigen Sätzen zu schreiben. Mal schauen, ob ich es nun schaffe, mich auch an meinen Plan zu halten oder ob ich doch wieder vollkommen überziehe...
EIN VOGEL AUF DEM DRAHTSEIL
Marianna Graves (Goldie Hawn) ist eine erfolgreiche Anwältin und wollte eigentlich nur rasch an der nächsten Tankstelle ihr Benzin auffüllen, als sie in dem Mechaniker Rick Jarmin (Mel Gibson) ihren Ex-Freund wiederzusehen glaubt. Mit der Vermutung hat sie durchaus Recht, was ihr jedoch erst später vollkommen klar wird, als sie den sich aus der Affäre ziehenden Rick erneut aufsucht und dabei Zeuge wird, wie dieser von zwei Gangstern beinahe über den Haufen geschossen wird. Marianna verhilft Rick zur Flucht und dieser erzählt, dass er vor einigen Jahren als Kronzeuge gegen den gefährlichen Verbrecher Eugene Sorenson (David Carradine) aussagte. Dieser wurde nun aus dem Gefängnis entlassen und heftet sich an Ricks Fersen... was die in die Situation hineingeschlitterte Marianne nun ebenfalls in große Gefahr bringt.
Wir sehen hier eine reinrassige Actionkomödie, wie man sie sehr simpel mögen kann. Man muss nicht viel über irgendeinen Plot nachdenken, denn das, was uns hier geboten wird, ist einfach gestrickt und dient im Grunde nur als Gerüst, um zur nächsten Verfolgungsjagd überzuleiten... oder zum nächsten Konflikt zwischen den ständig miteinander zeternden und auch mal turtelnden Marianne und Rick. Viel mehr steckt nicht dahinter und soll es auch gar nicht und als Fan solcher Filme, die auch noch den Charme der 80er atmen, macht man hier sicherlich nicht viel falsch und dürfte einen kurzweiligen Filmabend erleben. Es gibt aber eben auch deutlich bessere Werke, die man auswählen könnte, wenn man in diese Genre-Richtung tappt und dementsprechend macht "Ein Vogel auf dem Drahtseil" nichts eklatant falsch, aber auch rein gar nichts richtig.
Schwer wiegt über die komplette Lauflänge, dass die Chemie zwischen Goldie Hawn und "Lethal Weapon"-Star Mel Gibson nicht zu stimmen scheint. Die Funken zwischen beiden wollen nicht sprühen, die Gags, die beide auf den Lippen tragen, bleiben eher mau. Gibson selbst scheint sich in seiner Performance spürbar zurückzuhalten, weswegen die ganze Hatz eine eher vorhersehbare Angelegenheit bleibt, die niemals die Genre-Grenzen bricht oder auch nur versucht, sie irgendwie zu überschreiten. Erfreuen kann man sich an den soliden Actionszenen, die hier state of the art gemacht sind und manch ein Mal übertünchen, dass es in Sachen Comedy wesentlich weniger zu lachen gibt als hier eigentlich angemessen gewesen wäre.
Und auch spannend wird es eigentlich nie, da die Bösewichter, hier in Form von David "Bill" Carradine und "Predator"-Star Bill Duke doch eher reine Schablonen bleiben, die keine echte Angst versprühen. Doch auch das soll bei dieser heiteren Hatz wohl so sein, weswegen es eine reine Schau von Gibson und Hawn bleibt, die aber eben auch nur netten Dienst nach Vorschrift verrichten und deswegen nicht richtig begeistern können. Hier wurde das Augenmerk also nachvollziehbar auf das Duo gerichtet, welches am Ende zu wenig Kohlen aus dem ohnehin eher kleinen Feuer holt. Ein Klassiker des Genres ist "Ein Vogel auf dem Drahtseil" daher definitiv nicht geworden, wer sich aber auch schon mit dem kleinen Bruder zufriedengibt, der könnte hier zumindest in einigen Szenen durchaus seinen Spaß haben. Für mehr reicht es dann aber wirklich nicht, weswegen ich meinen oben ausgeführten Plan einer kürzeren Review hier einhalten und diesen Film schulterzuckend und ohne weitere Gedanken fix abnicken kann.
Fazit: Solide Action-Komödie, gut inszeniert, mit Tempo und knackiger Action. Leider stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern nicht, die Gags bleiben zahm und mau und der Plot als solcher kann in seiner Einfachheit auch nicht über einige Längen hinwegtrösten.
Note: 4+
Kommentare
Kommentar veröffentlichen