Ich werde oft von Freunden, besonders vom weiblichen Geschlecht, auf meine Kritiken zu "Frauenfilmen" angesprochen. Dass sie es beachtlich finden, dass ich RomComs und Co. oftmals doch einiges abgewinnen kann und mich auch von Kitsch und Zuckerguss nicht davon abhalten lasse, mir solche Filme anzusehen. Oftmals denke ich jedoch, dass ich über einige von ihnen kaum lachen kann, vielleicht weil ich eben ein Mann bin und mich in mancherlei Thema nicht hineinversetzen kann und will. Genau dieses Problem hatte ich mit dem im Vorfeld so stark gehypten "Brautalarm".
BRAUTALARM
Annie (Kristen Wiig) ist ein unglücklicher Single, hat ihren Job verloren und wird von ihrem Schwarm Ted (Jon Hamm) immer wieder ausgenutzt... und gerade sie wird von ihrer besten Freundin Lillian (Maya Rudolph) mit der Organisation ihrer Hochzeit beauftragt. Alles soll perfekt sein und Annie legt sich auch richtig ins Zeug. Doch dann trifft sie auf eine weitere Freundin Lillians: Die reiche und aus gutem Hause stammende Helen (Rose Byrne) versucht, die Pläne an sich zu reißen und selbst eine Traumhochzeit zu gestalten. Annie fühlt sich von Helen hintergangen und sieht dabei sogar die langjährige Freundschaft zu Lillian bedroht. Der Streit artet schließlich in ein waschechtes Chaos aus...
Irgendwie kam ich mit diesem Film, auf den ich mich vorab dank guter Kritiken und Vergleichen zu dem meisterhaften "Hangover" (im Grunde wurde "Brautalarm" stets als das "Hangover" für Frauen bezeichnet) sehr gefreut hatte, nicht so wirklich klar. Zu erst einmal ist die Erzählung für einen eigentlich recht konventionellen Film recht wirr und der rote Faden wird immer mal wieder verschludert, wenn Annie vollkommen überfordert (und in ihrer Art auch regelrecht unsympathisch) von ihren Dates mit zwei Männern (ein Arschloch, ein blasser Gutmensch), zu den Hochzeitsvorbereitungen, zu ihrer etwas neben sich stehenden Mutter, zu ihrem Jobproblem, zu ihrer Schwester und zu ihren Streitereien mit den anderen Brautjungfern pilgert. Der Film springt immer wieder hin und her zwischen diesen etlichen Plotelementen, bekommt sie jedoch nie zu einem runden Ganzen verschnürt, weswegen "Brautalarm" nicht nur sprunghaft, sondern schlichtweg hoffnungslos überfüllt wirkt. Von Abwechlsung kann bei all diesen Storylines leider auch nicht die Rede sein, da sie allesamt mit vorhersehbaren Klischees und den fürs Genre bekannten Peinlichkeiten spielen. Da wären wir dann auch schon beim Witz angelangt und auch hier herrscht Stille. Ich habe während des ganzen Films einmal gelacht und ein paar wenige Male geschmunzelt... für ein zweistündiges Werk natürlich viel zu wenig. Und kaum guckt man sich an, wer da auf dem Produzentenstuhl sitzt, muss ich mir mit der Hand auf die Stirn klatschen, da ich es doch besser hätte wissen müssen: Judd Apatow wird von Kritikern ja irgendwie geliebt, ich kann bei seinen Filmen aber nur selten lachen, und mit "Brautalarm" zieht er seine Show erneut durch und setzt den faden Gags dabei die Krone auf. Bezeichnend ist die Flugzeug-Szene, in welcher fünfzehn Minuten lang ein einziger Witz aufgebaut wird, der am Ende vollkommen wirkungslos verpufft, da er a) vollkommen vorhersehbar ist und b) schlichtweg nicht lustig ist. Man schämt sich schon dafür, wie oft Apatow und Regisseur Paul Feig ihre schwachen Gags entweder bis zum Erbrechen auswalzen oder sie so lange vorbereiten, dass am Ende schlichtweg kein Lacher mehr zustande kommt. Der Film kommt schlichtweg nicht zur Sache und lässt seine ohnehin krude Handlung aus dem Ruder laufen, indem jegliche Szenerie einfach so in die Länge gezogen wird, bis es einen einfach nicht mehr interessiert. Und als am Ende bei einer komplett eskalierenden Geschenkeparty (?) endlich mal ein wenig Tempo und gar ein paar verständliche, emotionale Clashs dazukommen, verschenkt man auch hier mit ein paar dümmlichen, angehängten Konflikten, die sich schnell im Nichts auflösen, wieder jegliches Potenzial. So nervt der Film einfach schnell extrem, langweilt durch seinen erschreckend geringen Gag-Level und seine miese, ständig wacklige und desaströs geschriebene Handlung. Da können auch die Schauspieler nicht viel richten, die sich redlich mühen, dabei aber so peinlich und überzogen agieren, dass man sie kaum gerne in einem anderen Film wiedersehen will... besonders leid tut es mir dabei um Rose Byrne, die es ja eigentlich draufhat, hier aber extrem verschenkt wird. Am Ende bleiben dann ein paar wenige, nette Witzchen (die meisten davon gehen aufs Konto von Melissa McCarthy), eine wirklich gute Szene und... naja, sonst nichts. Ziemlicher Mist halt.
Note: 5-
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