Das Kinojahr 2016 begann für mich mit einer Enttäuschung: "Legend" war der erste Kinofilm, den ich letztes Jahr im Kino sah und ich hatte mich nach dem intensiven Trailer lange auf ihn gefreut, er entpuppte sich dann jedoch als halbgares Thriller-Flickwerk. Nun ist ein neues Kinojahr angebrochen und ich war zum ersten Mal 2017 wieder im Kino und dies gleich wieder in einem Werk, auf welches ich mich sehr gefreut und zu welchem ich extrem hohe Erwartungen hatte. Und nun ist alles anders, was für ein gelungenes Kinojahr 2017 sprechen könnte, denn besser kann man dieses eigentlich kaum beginnen als mit dem Sci-Fi-Thriller "Passengers"...
PASSENGERS
Über fünftausend Menschen verbringen in der weit entfernten Zukunft hundertzwanzig Jahre im Hyperschlaf auf dem Raumschiff Avalon, welches die Menschen von der noch immer bewohnten Erde zu einem Planeten namens Homestead II, eine neue Kolonie, bringen soll. Der begabte Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) jedoch erwacht bereits nach dreißig Jahren aus seiner Schlafkammer, unfähig, sich wieder in den Hyperschlaf zu versetzen. Neunzig Jahre liegen noch vor ihm und ein restliches Leben in Einsamkeit scheint Gewissheit. Schließlich erwacht jedoch auch die Schriftstellerin Aurora Dunn (Jennifer Lawrence) zu früh aus ihrer Schlafkammer. Die einzigen, wachen Personen auf dem gigantischen Raumschiff müssen nun versuchen, ihr Leben irgendwie zu leben...
"Passengers" hatte mich gefühlt nach der ersten Sekunde gepackt. Der erste Blick auf das majestätische Raumschiff Avalon, welches sich so scheinbar mühelos seinen Weg durchs All bahnt, sich dabei um sich selbst dreht und selbst Meteoritenstürme abwehrt, zählt bereits jetzt zu den Highlights dieses Kinojahres. Und auch später gibt man uns etliche optische Leckerbissen, bei denen absolut oscarreife Effekte sich immer wieder die Klinke in die Hand geben. Über das grandios aussehende Innenleben des luxuriösen Raumschiffes mit all seinen Eigenarten, den Blick auf die wunderschöne Stille des Weltraumes und (als klares Zwischenhighlight) einem schwerelosen Flug in einem Pool, dessen Wasser sich zu einer tödlichen Blase rund um Jennifer Lawrence zusammenzieht... es gibt einiges zu staunen und immer wieder Momente, die man so noch nicht gesehen hat.
Doch auch über seine optischen Vorzüge hinaus weiß "Passengers" mehr als überzeugen und schwingt sich während seiner knapp zweistündigen Laufzeit gekonnt durch mehrere Genres, ohne dabei je seine Dringlichkeit zu verlieren. Prestons erste Schritte, mutterseelenallein, auf dem gigantischen Raumschiffkreuzer sind von charmanter Leichtigkeit, stets mit leisem Humor ausgestattat, der auch auf späteren Strecken unaufdringlich und somit treffsicher eingestreut wird. Später stürzt sich der Film schließlich in eine ergreifende und so auch noch nicht gesehene Liebesgeschichte, die glücklicherweise kaum kitschig, dafür aber umso emotionsgeladener erzählt wird und dabei mehrere Magic Moments bereithält, bevor es zum etwas lauteren, dafür aber auch eindringlich spannenden und dramatischen Action-Finale kommt.
Während dieser Zeit fühlt sich "Passengers" kaum einmal zu lang, eher sogar zu kurz an und schwingt sich in perfektem Tempo durch seine Geschichte. Ruhige Szenen wechseln sich mit reifer Dramatik und der Fokus, der klar auf den beiden Hauptfiguren liegt, wird dabei niemals außer Acht gelassen. Denn bei all dem optischen Firlefanz ist es schließlich noch immer die Geschichte zweier Menschen, deren Leben vollständig umgekrempelt wird. Hier stellt der Film sogar einige interessante Fragen, liefert ebenso interessante Antworten uns lässt uns bisweilen sogar über derlei Dinge nachdenken... im Mainstream-Kino, das muss man sich mal vorstellen.
Und dann wäre da natürlich noch die Besetzung zu nennen, die zwei der größten Namen der derzeitigen Kinogeschichte unter einen Hut bringt. Chris Pratt gibt den hoffnungsvoll einsamen, dabei aber nicht auf den Mund gefallenen Lebemann wie gewohnt mit viel Charme und Ausstrahlung, wobei er auch in den dramatischen Momenten vollends überzeugt. Jennifer Lawrence überstrahlt Pratt erwartungsgemäß dann aber noch einmal, denn sie beherrscht jegliche Szene und jeglichen Ton scheinbar perfekt, dabei dennoch mit einer Leichtigkeit, dass es einem den Atem raubt. Wenn Lawrence's Aurora in einer Schlüsselszene über ein wichtiges Geheimnis aufgeklärt sind, spielt sich so viel in ihrem Gesicht ab, dass man es kaum in Worte fassen kann. Neben den beiden muss aber auch Martin Sheen erwähnt werden, der als lernfähiger Android nicht nur für den Humor zuständig ist, sondern auch mal die Handlung durch wenige Worte und Taten entscheidend vorantreibt.
Wenn man meckern will (und ihr wisst, dass ich das doch ab und zu ganz gut kann), dann muss man anmerken, dass der Film die enorme Lebenszeit, in welcher sich seine Geschichte abspielt, nicht immer treffsicher auf die Leinwand transportieren kann. Man bekommt zwar erzählt, dass Jahre vergangen sind, aber man sieht es nicht wirklich, weswegen solcherlei Informationen recht wirkungslos verpuffen. Auch ist die Geschichte, obwohl stark inszeniert, letztendlich doch ein wenig vorhersehbar, was aber tatsächlich Meckern auf sehr hohem Niveau ist, denn packen konnte mich das Werk trotz manch zu oberflächlich angegangenem Handlungsdetail und manch einem Logikloch wirklich durchgehend.
Fazit: Packender Weltraum-Thriller, der in sich eine ergreifende Liebesgeschichte mit spektakulärer, temporeicher Action vereint. Garniert mit zwei Superstars in absoluter Top-Form haben wir es hier mit einem starken Film zu tun, der auch nicht mit Tiefe geizt. Das Kinojahr 2017 hätte somit tatsächlich kaum besser beginnen können.
Note: 2
Kommentare
Kommentar veröffentlichen