Mit den Real-Neuverfilmungen seiner berühmtesten Zeichentrickklassiker ist Disney bislang mehr als gut gefahren. Meisterwerke waren "Cinderella", "The Jungle Book" und Co. in diesem neuen Gewand alle nicht, aber immerhin nette Unterhaltung, was sich an den Kinokassen enorm wiederspiegelte, besonders das neue "Dschungelbuch" nahm ordentlich Zaster ein. Grund genug, um mit weiteren Neuverfilmungen um die Ecke kommen. Als nächstes war also "Die Schöne und das Biest" an der Reihe, einer der wohl besten Zeichentrickfilme, die Disney je hervorgebracht hat... und die Erwartungen waren nicht gerade klein.
DIE SCHÖNE UND DAS BIEST
Die junge Belle (Emma Watson) lebt in Frankreich und auch in ihrer ganz eigenen Welt, gilt bei den Dorfbewohnern als eigenbrötlerisch und seltsam. Als ihr Vater Maurice (Kevin Kline) während eines Ausfluges in den Wald auf ein Schloss stößt und dort von einem Biest (Dan Stevens) geschnappt wird, rettet Belle ihn und nimmt seinen Platz als Gefangene ein. Dabei erfährt sie, dass das Biest und auch die gesamte in Möbelstücke verwandelte Belegschaft des Schlosses mit einem Fluch belegt wurden, der nur von der wahren Liebe gebrochen werden kann... und die Bediensteten vermuten, dass Belle für diese Liebe die richtige sein könnte.
Die Disney-Neuverfilmung von "Die Schöne und das Biest" ist ein zweischneidiges Schwert geworden. Der Film bietet etliche tolle Aspekte, die neben Licht aber auch stets Schatten mit sich bringen. Nun war es eigentlich klar, dass die hohen Erwartungen nach den fantastischen Trailern, der strahlenden Besetzung und nicht zuletzt der Erinnerung an das großartige Disney-Original wohl doch eher enttäuscht als gehalten werden würden. Geht man danach, kann man mit dem Endergebnis noch immer zufrieden sein, denn der Film unterhält sehr gut... geht man allerdings dorthin, wie gut das Werk eigentlich hätte werden können, kommt man nicht umhin, einiges zu kritisieren.
So fällt schon extrem auf, dass man sich nur sehr wenige Freiheiten genommen und sich anstatt dessen sehr stark an der Disney-Zeichentrick-Vorlage orientiert hat, bekannte Szenen oftmals sogar mit gleichen Kamerafahrten, absolut identischen Dialogen, Gags und optischen Details ausstattet. Manch einer mag dies als unoriginell abtun und irgendwie ist es das sicherlich auch, denn wir kennen das Ganze immerhin schon aus der weitaus besser gelungenen Fassung aus dem Jahr 1991. Zwar wurden auch hier einige neue Szenen hinzugefügt, weswegen die Neufassung nun auch über eine halbe Stunde länger ausfällt, wirklich bereichern tun sie das Erlebnis aber nicht, sie bremsen es sogar ab und zu. Denn durch das gemächliche Tempo, wobei die bereits bekannten Szenen auch immer mal wieder merklich gestreckt werden, macht sich zwischendurch glatt etwas Langeweile breit und während den stattlichen 130 Minuten kommt es dann immer wieder zu einigen Hängern.
Diese werden immer wieder von wunderbaren Zwischen-Highlights unterbrochen, so richtig zünden wollen diese aber nicht alle. So wirkt der Fan-Favorit-Song "Sei hier Gast" in seiner gewohnt bunten Variante innerhalb eines Realfilms tatsächlich etwas seltsam, wohingegen die anderen bekannten Songs jedoch in wohliger Pomposität und auch mal in Witz und Charme daherkommen und auch mal mit absolut grandiosen Choreos aufwarten (besonders "Bonjour" und "Gaston" profitieren davon und sorgen streckenweise glatt für Gänsehaut). Solcherlei Szenen hat "Die Schöne und das Biest" immer wieder zu bieten und transportiert die märchenhafte Atmosphäre dabei streckenweise mehr als ordentlich.
Als schwierig gestaltet sich dabei die visuelle Umsetzung: Diese ist in den meisten Bereichen sehr gut gelungen, dennoch haben sich einige Fehler eingeschlichen und gerade das Biest wirkt nicht in allen Bereichen passend animiert. Das kann man von der Dienerschaft des Schlosses nicht behaupten, denn diese erstrahlen in neuem Glanz, was ein wenig Gewöhnzeit braucht, anschließend aber für sehr viel Spaß sorgt. Glänzen tun indes auch die Schauspieler: Dass Emma Watson als Belle eine Idealbesetzung sein würde war eigentlich klar und dementsprechend gut schlägt sie sich hier auch. Luke Evans macht als Gaston ebenfalls eine gute Figur, neben ihm trumpft Josh Gad als zwischen den Fronten stehender LeFou aber noch mehr auf. Und auch Kevin Kline stellt sich nach anfänglichen Zweifeln als starke, in dieser Version auch weitaus mehr im Fokus stehende Besetzung von Belles Vater heraus.
Fazit: Wer den Zeichentrickfilm kennt, der braucht diese Variante gerade wegen einiger Längen und Unstimmigkeiten nicht unbedingt. Dennoch funktioniert die bekannte Geschichte auch als reale Version mit charmanten Darstellern und tollen Musikeinlagen ziemlich gut.
Note: 3
Ich hab' ihn am Sonntag gesehen.
AntwortenLöschenEmma Watson war bezaubernd. Das Biest war auch in Ordnung. Den schwulen LeFou fand ich witzig und Gaston war auch sehr überzeugend arrogant. Viele Details aus dem alten Disney-Comic wurden übernommen, litten aber etwas unter der 3D-Animation. Es ist einfach immer noch so ... mit Kleidung haben sie irgendwie nach wie vor Probleme. Oder als Belle in ihr Zimmer kommt, wird ein 360°-View gezeigt, bei dem man NICHTS sieht, weil alles schlichtweg verschwommen ist. Wenn die Kamera sich schnell rein- oder rauszoomt wirken viele Objekte einfach nur schlecht gerendert.
Das hat mir den Film jetzt schon etwas madig gemacht. Gut, bin selber schuld: ich dachte, den schauen wir mal in 3D.
Und am Ende steht dann da wieder so ein farbloser Prinz da, mit dem man irgendwie nichts anfangen kann. Finde das bei so Geschichten immer schwierig. Man gewöhnt sich an diese Monster und Biester und gewinnt die auch irgendwie lieb, und dann stehen da auf einmal so Waschlappen vor den Heldinnen/Prinzessinnen.
LG, Tina