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Zähe Crime-Mystery: Filmkritik zu "Dark Places - Gefährliche Erinnerung"

Vor rund zwanzig Jahren ging die heutige Mittdreißigerin Libby Day (Charlize Theron) als einzige Überlebende an den Morden an ihrer Mutter Patty (Christina Hendricks) und ihren Schwestern Michelle (Natalie Precht) und Debby (Madison McGuire) hervor. Libbys Bruder Ben (Corey Stoll) sitzt seit nunmehr achtzehn Jahren in Haft, da er des dreifachen Mordes beschuldigt wurde. Obwohl Libby sich diesem traumatischen Ereignis entziehen wollte, muss sie es nun wieder aufleben lassen - aufgrund von Geldsorgen geht sie auf das Angebot von Lyle Wirth (Nicholas Hoult) ein, der den sogenannten "Kill-Club" leitet. In diesem versuchen Menschen, längst zu den Akten gelegte Fälle neu aufzurollen und schließlich zu lösen... und Libbys Fall ist für diese von erhöhtem Interesse. Dabei wird Libby mit der Möglichkeit konfrontiert, dass ihr Bruder wahrscheinlich unschuldig ist, was diese jedoch nicht wahrhaben will, da erst ihre damalige Zeugenaussage ihn hinter Gittern brachte. Um das nötige Geld von Wirth zu erhalten, muss Libby jedoch mitspielen und kommt dabei deutlichen Unstimmigkeiten bezüglich Bens Schuld auf die Spur.

"Dark Places" hat eine Menge struktureller Probleme - am schwierigsten gestaltet sich jedoch der Versuch, die vielen Rückblenden in die Zeit vor und während des Mordes (tatsächlich besteht der Film zu mehr als der Hälfte seiner Laufzeit aus eben diesen aufklärenden Rückblicken) mit einer einigermaßen spannenden Gegenwartshandlung zu verdichten. Es tritt in den oftmals willkürlich eingestreuten Flashbacks schlichtweg keinerlei Dynamik auf, da beide Handlungen niemals stimmig Hand in Hand gehen wollen. Viel zu lange mäandert die im Kern spannende Geschichte vor sich hin, wobei auch die langsame und jegliche Kreativität vermissende Inszenierung von Gilles Pacquet-Brenner nicht hilft. "Dark Places" ruft so exakt das Gefühl hervor, welches eigentlich kein düsterer Krimi-Thriller erwecken sollte: Gepflegte Langeweile. Das liegt vor allem daran, dass keiner der beiden Plots funktioniert. Gerade die Gegenwarts-Handlung, die um die seltsam eingeführte und letztendlich ziemlich nutzlose Kill-Club-Gruppe gebaut wird, kommt gefühlt nie wirklich voran.
Zudem gelingt es den Machern nicht, um die eigentlich spannende Ausgangssituation noch wirklich eine stimmige Dramaturgie zu bauen. Das behäbige Suchen von neuen Hinweisen wirkt eher wie ein Abklappern von einer Brotkrume nach der anderen, sodass man alsbald nur noch auf die Auflösung wartet. Diese kommt natürlich erst ganz zum Schluss, ist durchaus überraschend, haut einen aber auch nicht mehr vom Hocker. Das größte Problem daran ist jedoch, wie unemotional diese Geschichte erzählt wird. An allen Ecken und Enden bietet "Dark Places" das Potenzial für richtig düstere Dramen, doch funktionieren all diese Plots nur über eine Behauptungsebene. Ob nun die Satanismus-Vorzüge des verdächtigten Sohnes, Libbys eigene Straftaten, die Beziehung zu ihrem Vater und die Verarbeitung ihres Traumas... all das zählt der Film zwar zuverlässig auf, vertieft es aber nicht weiter. Es bleiben Themen auf einer Checkliste, die letztendlich nur wenig von Bedeutung sind. Dabei schafft es das Drehbuch nicht, eine Bindung vom Publikum zu den Charakteren aufzubauen, da sie allesamt wenig lebendig wirken und nur über reine Plotfunktionen agieren.
Es braucht also schon eine Ausnahme-Schauspielerin wie Charlize Theron, um der weiblichen Hauptfigur noch etwas Gewicht zu verleihen, wenn das Drehbuch dazu schon nicht in der Lage ist. Und fraglos gibt der "Atomic Blonde"-Star ihrer Libby Day eine gewisse Ader mit auf den Weg, die durchaus Kinetik hat. Der restliche Cast bleibt jedoch in den sehr engen Stricken des schwachen Skripts gefangen. Besonders leidtragend agiert hier Nicholas Hoult, der für die Handlung beinahe vernachlässigbar ist und im Grunde nur mit großen Augen Libby nachrennt, um irgendwie auch noch dabei zu sein. Auch andere große Namen, wie "House of Cards"-Star Corey Stoll oder die stets großartige, aber auch hier merkwürdig gehemmte Chloe Grace Moretz, können wenig mehr als Plotpunkte abhaken, ohne dabei wirklichen Mehrwert für ihre eigentlich interessanten Figuren zu liefern. Wie man es auch dreht und wendet, "Dark Places" kommt niemals richtig in Schwung und scheitert dabei an mehreren Ecken: Ein sehr düsterer, aber zeitgleich bemerkenswert kühler Thriller, der keinerlei Spannung aufbaut, nicht berührt und enorm forciert wirkt... und dabei seine simple Handlung über diverse Zeitsprünge und schlecht versteckte, falsche Fährten so unnötig verkompliziert, dass es einen irgendwann kaum noch tangiert, wie dieses Spiel ausgeht.

Fazit: Charlize Theron ist wie gehabt brillant und kann ihrer Hauptfigur dadurch mehr Leben verleihen als es das maue Drehbuch kann. Dieses müht sich durch banale Plot-Strukturen und eine unnötig verästelte Geschichte und lässt die guten Ideen der Ausgangslage dabei immer wieder liegen.

Note: 4



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