Direkt zum Hauptbereich

Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse

Verfilmungen von Jugendbuchreihen sind ja mittlerweile nichts Neues mehr. Alle wollen sie mitschwimmen auf der großen Welle, die "Harry Potter" losgetreten, "Twilight" zumindest finanziell so glorreich weitergeführt und die "Die Tribute von Panem" momentan noch ordentlich surft. Doch kaum ein angepeiltes Filmfranchise konnte genügend Moneten einspielen, um daraus eine ebenso erfolgreiche Reihe wie die Abenteuer des Zauberlehrlings oder die blutleere Romanze um Edward und Bella zu schaffen. "Eragon", "Der Goldene Kompass", "Tintenherz"... sie alle kamen nicht über einen Film hinaus, was nicht zuletzt auch an der künstlerischen Fehlerhaftigkeit dieser Adaptionen lag. Auch "Lemony Snicket" blieben Fortsetzungen verwehrt, doch immerhin reicht dieses erste Abenteuer für eine willkommen düstere und humorvolle Zeit.

LEMONY SNICKET

Nachdem die Boudelaire-Kinder Violet (Emily Browning), Klaus (Liam Aiken) und Sunny (Kara & Shelby Hoffman) ihre Eltern bei einem Feuer verloren haben, werden sie von dem Bankangestellten Poe (Timothy Spall) ihrem nächsten Angehörigen übermittelt: Dem Schauspieler Graf Olaf (Jim Carrey). Der ist jedoch bloß hinter dem gigantischen Erbe der Boudelaires her und möchte die Kinder möglichst schnell unter der Erde sehen. Als Poe herausbekommt, dass Olaf anscheinend nicht richtig für die Kinder sorgt, nimmt er sie fort, um sie bei einem anderen Familienmitglied unterzubringen. Doch Olaf gibt nicht auf und jagt den Kindern und dem Erbe hinterher... doch er hat kaum damit gerechnet, dass die cleveren Geschwister ihm immer wieder neue Steine in den Weg legen und sich nicht so leicht unterkriegen lassen.

Für Kinder ist "Lemony Snicket" schon einmal definitiv nichts. Der Film ist fast über seine komplette Laufzeit von 103 Minuten überraschend düster, der teils recht garstige Humor dürfte sich bloß Älteren voll und ganz erschließen und auch in Sachen Brutalität geht hier einiges vor sich, auch wenn die grausamen Szenen immer wieder ironisch gebrochen werden. Visuell ist der Film, bis auf den ein oder anderen etwas matschigen Spezialeffekt, dabei eine Augenweide, die fantasievollen Sets und die detailreiche Ausstattung bringen Snickets Werke perfekt auf die Leinwand. Dabei ist die Adaption weder sonderlich spannend noch in irgendeiner Form packend, macht aber jede Menge Spaß. Man erfreut sich an den starken Bildern, dem treffsicheren Humor und den vielen, schönen Ideen... da ist es gleich, dass die Geschichte ziemlich vorhersehbar abgespult wird und sich bis zum netten Finale auch einige Male im Kreis dreht. In Einzelszenen dreht "Lemony Snicket" dafür wunderbar auf und kaschiert die biedere Story, die für nicht viel mehr da ist, als die Kinder von einer Gefahr in die nächste zu bringen und einem stark chargierenden, teils schon etwas nervigen, aber dennoch köstlichen Jim Carrey in die unmöglichsten Kostüme zu stecken und ihn dabei vollkommen von der Leine zu lassen. Der Film ist flott, bietet für die knappen 100 Minuten fast schon etwas zu viel, grenzt an Reizüberflutung, aber der Unterhaltungswert bleibt dennoch auf einem angenehmen Level. Schauspielerisch wird der Film klar von Carrey getragen, weswegen "Lemony Snicket" auch für diejenigen steigen oder fallen wird, je nachdem wie viel man seiner Kasperei abgewinnen kann oder mag. Emily Browning zeigte bereits hier in zartem Alter, dass sie eine große Karriere machen wird, während ihr Filmbruder Liam Aiken blass bleibt, recht hölzern und steif agiert. Die prominenten Nebenrollen wie Timothy Spall und besonders eine überdrehte Meryl Streep sorgen für viele Lacher und Schmunzler. Viel hängen bleibt hier sicher nicht, aber immerhin wird man gute anderthalb Stunden von hundert Minuten sehr nett unterhalten.

Note: 3


 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...