Direkt zum Hauptbereich

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Comicverfilmungen bzw die Adaptionen von Graphic Novels sind wohl der größte Boom, den die Filmwirtschaft in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte. Über "The Avengers", "Batman" und "Kick-Ass" stach jedoch ein Werk noch mal besonders hervor: Edgar Wright, der sich schon zuvor mit seinen Komödien "Hot Fuzz" und "Shaun of the Dead" eine gigantische Fangemeinde sichern konnte, verfilmte "Scott Pilgrim"... und schenkte uns ein geekiges Spektakel für Gamer, gespickt mit bombastischer Action, liebevollem Humor und einer wunderbaren Lovestory.

SCOTT PILGRIM GEGEN DEN REST DER WELT

Der schüchterne Scott Pilgrim (Michael Cera) lebt in Toronto, spielt in einer Band und geht mit einem siebzehnjährigen Schulmädchen namens Knives (Ellen Wong) aus. Als er jedoch eines Tages Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) kennenlernt, ist es um ihn geschehen und mir nichts, dir nichts hat er sich in das Mädchen mit den pinken Haaren und den Rollschuhen verliebt. Es reicht sogar für ein Date, welches nicht in die Hose geht... doch damit fangen die Schwierigkeiten erst an. Um Ramona für sich zu gewinnen, muss Scott ihre sieben teuflischen Ex-Lover im Kampf besiegen. Und dafür braucht er all sein Selbstbewusstsein und seine Kraft...

Und Kämpfe sind hier wörtlich gemeint. Nach gut einer halben Stunde wird hier ordentlich gekickt, zugehauen und meterhoch durch die Luft gesprungen. Die wunderbar komponierten Bilder wirken tatsächlich wie aus einem Comic hervorgeholt, wobei der einfallsreiche Trick, Sprechblasen, Knallstreifen und Ausrufe wie "Aaaahhh" oder "Paff!" als Lettern über den Bildschirm huschen zu lassen, ungemein hilft. Von Anfang an ist der Film ein Fest für Comic- und auch Gaming-Fans, die vielen Seitenhiebe und Anspielungen werden dabei womöglich nur richtige Fans allesamt erkennen, doch auch Neulinge, welche Scotts Abenteuern unvoreingenommen erleben, werden nicht im Regen stehen gelassen. Es gibt nämlich wahrlich genug zu bestaunen. Zum einen die fulminanten und hervorragend choreographierten, von Videospiel-Fights inspirierten Actionszenen, welche von Mal zu Mal immer besser und größer werden, bis zum gigantischen Finale, wo noch einmal alle Register gezogen werden. Die erstaunlich einfühlsame, erhrliche und sympathische Lovestory zwischen Scott und Ramona wird von diesen Prügelorgien jedoch nicht weggeblasen, sie bekommt genügend Raum zur Entfaltung und sorgt für viel Romantik und viel Gefühl, was man einem Film wie diesem nun wahrlich nicht zugetraut hätte. Und zu lachen gibt es natürlich auch jede Menge, der Humor kommt nicht mit dem Holzhammer, wird größtenteils durch trockene und treffsichere Dialoge sowie menschliche Patzer übertragen (Highlight ist hierbei der von Kieran Culkin grandios gespielte schwule Mitbewohner Scotts) und sorgt dafür, dass der Spaß über die nicht ganz zwei Stunden nie verloren geht. Der Soundtrack ist absolut großartig, für Musikfans ist der Subplot um Pilgrims Band noch ein besonderes Schmankerl, welches nie untergeht. Und dann wären da auch noch die Schauspieler, die allesamt tolle Arbeit verrichten. Erneut spielt Cera den lieben Kerl von nebenan und nach "Juno" und "Superbad" macht er dies auch hier wieder so verflixt liebenswürdig, dass man ihn einfach gernhaben muss. Auf der anderen Seite steht Mary Elizabeth Winstead, die wohl noch nie so gut, so sexy und so stark war wie hier. In der Nebendarstellerriege sind besonders Anna Kendrick als Scotts biestige Schwester, der bereits erwähnte Kieran Culkin und Alison Pill, die Scotts alte Flamme Kim spielt, zu erwähnen, doch der gesamte Cast liefert so gute Arbeit, dass man sie eigentlich hier alle nochmals aufzählen müsste. Am Ende kann man vielleicht nur kritisieren, dass der Schluss doch etwas plötzlich kommt und der Actionquotient im Mittelteil etwas zu stark zunimmt, doch das sind Kinkerlitzchen in einem ansonsten wunderbaren Film, der einfach anders ist... und neben all dem Getöse mit einer der bezauberndsten Lovestorys der letzten Jahre aufwartet. Ansehen!

Note: 1-

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...