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Mother/Android

In der Zukunft sind menschlich aussehende Androiden ein Teil des Alltags. Eines Tages scheinen sämtliche Androiden, die von den Menschen als Butler oder Haushaltshilfen genutzt wurden, jedoch den Entschluss gefasst zu haben, sich mit aller Kraft und über ihr Regelnetzwerk hinaus gegen ihre Erschaffer zu richten. Monate später befindet sich die Welt in einem apokalyptischen Zustand, überall machen Androiden Jagd auf die wenigen menschlichen Überlebenden. Die im neunten Monat schwangere Georgia (Chloe Grace Moretz) und ihr Freund und Vater des ungeborenen Kindes, Sam (Algee Smith), schlagen sich durch die Wälder und versuchen nach Boston zu gelangen - dort soll es sicher sein, wie Gerüchte besagen. Doch in den Einöden und den verlassenen Städten wimmelt es von Androiden und auch die Menschen sind in den Zeiten solcher Verlorenheit nicht immer wohlgesinnt...

Es braucht schon eine ganze Menge Fehler, um ein Szenario wie dieses auf filmischer Basis ordentlich in den Sand zu setzen. Regisseur Mattson Tomlin und Streamingdienst Hulu (in Deutschland erscheint der Film bei Netflix) scheinen hier aber wirklich alles zusammengetragen zu haben, was man in diesem Genre falsch machen kann und liefern somit schon zum Jahresbeginn ein wahrhaftes Debakel für den Streaming-Giganten ab. Am negativsten fällt dabei die schwache Inszenierung auf: Die wenigen Szenen, in denen die Androiden sich tatsächlich zeigen und somit zu einer Gefahr werden, sind vollkommen lahmarschig gefilmt und entwickeln zu keinem Zeitpunkt irgendeine packende Dynamik. Tomlin findet keinen eigenen Stempel, der sein Endzeit-Szenario irgendwie von ähnlich gearteten Filmen und Serien abheben würde - in den Momenten, in denen keine Androiden zu sehen sind (und von denen gibt es sehr viele), könnte man sich auch in einer weniger spannenden Folge der Hitserie "The Walking Dead" wähnen. Noch dazu hat Tomlin seinen Film mit einer wahnsinnig matten Farbvielfalt gedreht, was den Schwarzwert vor allem in den vielen Nachtszenen seltsam ins Gräuliche kippen lässt - in den schlimmsten Momenten sieht "Mother/Android" aus wie ein blasser Pixelmatsch und selbst in der Ultra-HD-Variante wirkt er so verwaschen, dass man hin und wieder kaum noch die Gesichter der Schauspieler erkennt.
Dass ein Film wie dieser ziemlich hässlich aussieht und noch dazu kaum wirkliche Action bietet, muss an sich aber erstmal kein Ausschlusskriterium sein. Als ein charakerlich betuchtes Kammerspiel kann ein Szenario wie dieses auch ganz hervorragend funktionieren, mit einer beinahe unsichtbaren und deswegen so angsteinflößend wirkenden Bedrohung im Hintergrund. Doch auch als Drama mit kleinen Horror-Einschüben oder als Gesellschaftskritik humpelt "Mother/Android" schlichtweg nur vor sich hin. Genre-Klischees werden nach und nach aus dem Hut gezogen und in der ersten Hälfte des Films passiert so gut wie gar nichts. Die beiden Hauptfiguren haben sich erschreckend wenig zu sagen und wirken darüber hinaus furchtbar unsympathisch. Wo die hochschwangere Georgia immerhin noch einfach gar keine weiteren Charaktereigenschaften hat außer eben schwanger zu sein, ist ihr Freund einer dieser Kameraden, die man in der Apokalypse wahrlich nicht um sich haben möchte. Er handelt ausnahmslos dumm, klopft schauvinistische Sprüche, bei denen man sich fragen muss, warum sich die selbstbewusst wirkende Georgia überhaupt zuvor einen solchen Typen geangelt hat und hat ansonsten nichts zu tun als Fürsorge vorzuheucheln und zu nerven.
Dies äußert sich so, dass er zwar immer zur Stelle sein will, wenn er mal eine Heldentat begehen kann, sich darüber hinaus aber tatsächlich immer wieder über die prekäre Lage seiner Freundin lustig macht - mehrmals beantwortet er ihren Ausruf wegen schmerzender Füße damit, dass sie doch einfach hätte Chucks anziehen sollen. Betrachtet man es aus einem anderen Blickwinkel, hätte der Plot des Films aber wahrlich das Zeug zu einer bösen Komödie, die uns so richtig die chauvinistischen Grundlagen vorhält: Ein Mann will seine Frau ständig retten, tritt aber durchweg in jedes Fettnäpfchen, verschlimmert die Lage und hat danach tatsächlich noch den Mut, sich über die Lage seiner Frau zu amüsieren, während sie ihm den Mittelfinger zeigt. Und die Frau ist ihm dabei natürlich nicht lange böse, denn ohne ihn würde sie vermutlich nicht lange überleben. Das ist schon ganz harter Tobak, den die Macher hier durchweg mit ekelhaftem Ernst vortragen und deswegen nur schwer auszuhalten. Dass dabei auch eine Ausnahme-Schauspielerin wie Chloe Grace Moretz spürbar mit ihrer Rolle fremdelt, kann man nur zu gut verstehen: Sie wirft sich zwar wie gewohnt mit allerlei Elan in ihren Part, als hochschwangere Frau in der Apokalypse wirkt sie aber trotzdem nicht wirklich glaubhaft. 

Fazit: Ganz maues Endzeitszenario mit furchtbar einseitigen Charakteren, die nicht nur unsympathisch, sondern aufgrund ihres erschreckenden Verhaltens auch absolut aus der Zeit gefallen wirken. Eine müde Inszenierung und eine hässliche Optik tun ihr Weiteres, sodass man diesen Film ganz klar als einen der ersten Netflix-Flops des noch sehr jungen Jahres betiteln kann.

Note: 5+



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