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Die Rache der Polly McClusky

Die kleine Polly Huff (Ana Sophia Heger) wird eines Tages nicht von ihrer Mutter, sondern von ihrem gerade erst frisch aus dem Gefängnis entlassenen, leiblichen Vater Nathan McClusky (Taron Egerton) abgeholt. Obwohl dieser ungemein aufgewühlt erscheint, steigt Polly zu ihm ins Auto. Kurz darauf erfährt das Mädchen, dass ihr Vater sowohl von der Polizei als auch von einer brutalen Gang gesucht wird - die Polizei verdächtigt ihn dabei des zweifachen Mordes sowie mittlerweile auch der Entführung seiner Tochter. Polly, die nun zwischen den Fronten steht und nicht weiß, ob sie ihrem Vater vertrauen oder sich doch an die Polizei wenden soll, muss mit Nathan auf eine Reise gehen, die sie beide bis an ihre Limits fordern wird. Nathan hingegen versucht, das große Leid, welches er durchmachen muss, so wenig wie möglich an seine Tochter heranzulassen...

Die Rache der Polly McClusky hatte ich eigentlich absolut auf dem Schirm. Den Trailer hatte ich gesehen und war ziemlich schnell angefixt. Zudem hatte ich aufgrund einiger Posts seitens Taron Egerton, den ich sehr bewundere und dem ich deshalb auf Instagram folge, noch mehr Lust auf den Film bekomme. Trotzdem hat es nun über einen Monat gedauert, um diesen zu sichten... und das lag daran, dass ich trotz meines wirklichen Interesses an dem Streifen überhaupt nicht mitbekommen hatte, dass dieser schon veröffentlicht worden war. Mal wieder hat Prime Video praktisch keine Mühen auf sich genommen, ihren großen, neuen Original-Film zum Start zu bewerben oder ihn zumindest auf der Startseite ihres Streamingdienstes irgendwie prominent zu platzieren. Wahrscheinlich wird es vielen so gehen wie mir, die von dem Online-Start dieses Werks (und es ist wahrlich kein kleines Werk) gar nichts mitbekommen haben, weswegen es womöglich in der Versenkung verschwinden wird. Und das wäre durchaus schade, denn trotz einiger Schwächen würde damit ein ziemlich feiner, emotional berührender Thriller viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Die größte Schwäche liegt hier leider ein wenig in der groben Dramaturgie, die um das Familiendrama der beiden Hauptfiguren aufgemacht wird. Da geht es irgendwie noch um eine sehr finstere Gang, die wohl sehr mächtig und absolut gefährlich ist und die der von Taron Egerton verkörperten Hauptfigur aus diversen Gründen an den Kragen wollen. Da von den mysteriösen Männern mit den blauen Tattoos lange aber nur geredet wird, bleiben sie als große Gegenspieler-Kraft recht ungreifbar. Auch was nun ganz genau das Ziel der Hauptfigur ist (abgesehen davon, seine Tochter zu schützen), wird nie ganz klar. Zudem wird der Plot mittels eines weiteren Handlungsstrangs rund um einen Polizisten arg aufgebläht. Die einzelnen Spannungs- und Actionszenen leiden außerdem darunter, dass sie oftmals zu willkürlich auf eine Eskalation hinarbeiten. Obwohl sie durch die Bank weg sehr gut inszeniert sind, fällt das in vielerlei Hinsicht seltsame Verhalten einzelner Figuren (hier meist der jeweiligen Gegenspieler) so sehr auf, dass die eigentliche Spannung der Szene nur aus diesen völlig unlogischen Verhaltensmustern resultiert... was dann nach hinten heraus natürlich nicht so recht klappen mag. Eine Szene an einer Tankstelle und das in seiner wahren Action-Wut etwas überzeichnete Finale fallen dabei besonders auf, auch wenn sich trotz dieser deutlichen Fehler immer wieder Spannung einstellt.
Das liegt vor allem daran, dass man sich trotz des etwas flachen Plots mit voller Kraft an die beiden Hauptfiguren klammern kann. Die Beziehung zwischen Vater und (entfremdeter) Tochter steht hier im Mittelpunkt und die gemeinsame Reise der beiden, die zwar durch zahlreiche Actionszenen führt, bei denen der Vater aber die wirklich schockierenden Ereignisse immer wieder mit Momenten des Feinsinns und des Spaßes auszugleichen versucht, sind sehr bewegend, kopieren dabei aber nicht das beliebte The Last Of Us-Prinzip eines solchen Duos, sondern finden ihren eigenen, rauen Drive. Wenn man dann zudem noch einen solch fantastischen Schauspieler wie Smoke-Star Taron Egerton an Bord hat, der seinen Figuren ja stets eine enorme Intensität verleiht, kann da schon gar nicht mehr viel schiefgehen. Die wahre Entdeckung ist jedoch die gerade mal zwölfjährige Ana Sophia Heger. Mit Verlaub: Sich von einem schauspielerischen Schwergewicht wie Egerton nicht an die Wand spielen zu lassen, ist schon eine echte Leistung. Im zarten Alter von zwölf Jahren aber so mitzuhalten, ohne zu überzeichnen, zu nerven oder die Figur zu verlieren, ist schlichtweg meisterhaft. Die Karriere dieses Mädchens sollte man fortan also mit großem Interesse verfolgen - sofern sie die richtige Unterstützung an ihrer Seite hat (und natürlich fortwährend das weitere Interesse an dieser Berufung hat), sollte einer wirklich großen Karriere in Hollywood angesichts solch einer Präsenz nichts im Wege stehen. Die Traumfabrik hätte dadurch jedenfalls ein weiteres, unglaubliches Talent gewonnen.

Fazit: Auch wenn die Geschichte rundherum etwas schematisch ist und man sich zu oft zu wenige Gedanken um die einzelnen Spannungsszenen gemacht hat, so funktioniert dieser Thriller vor allem aufgrund seiner beiden Hauptfiguren und der beiden Hauptdarsteller*innen, die diesem Duo eine schier elektrisierende Intensität verleihen.

Note: 3+



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