New York scheint fest in der Hand der mysteriösen Vampire zu liegen. Die Epidemie hat sich ausgebreitet und immer mehr Menschen verwandeln sich in die brutalen Monster. Die kleine Gruppe rund um Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll) hat sich in einem kleinen Haus verschanzt, um dort ihre neuesten Pläne im Kampf gegen die Ungeheuer auszutarieren. Dabei möchte Goodweather gemeinsam mit seiner Kollegin Nora (Mia Maestro) einen Impfstoff für die Infizierten entwickeln, während Abraham Setrakian (David Bradley) nach einem uralten Buch sucht, welches ihm im Kampf gegen den Anführer der Vampire helfen soll. Gefahr droht jedoch auch aus dem Inneren der Gruppe, denn Ephraim's Sohn Zach (Max Charles) glaubt in seinem Herzen noch immer daran, dass seine Mutter Kelly (Natalie Brown) noch gerettet werden kann... und wird deswegen unvorsichtig.
Die gute Nachricht zuerst: "The Strain" stellt in seiner zweiten Staffel eine deutliche Steigerung in beinahe jeder Hinsicht im Vergleich zur ersten Season dar. Die schlechte: Eine wirklich gute Serie ist die von Guillermo Del Toro produzierte Vampir-Mär immer noch nicht. Trotzdem kann man mit diesen dreizehn Folgen durchaus mehr Spaß haben als in der ersten Staffel, wo ein anfänglich vielversprechendes Mystery-Ereignis rasch zu einem klischeehaften Horror-Actioner voller Logiklücken verkam. Im nächsten Anlauf gibt es aber endlich deutlich mehr Unterfütterung für die zuvor so langweiligen Hauptfiguren. Richtig tiefgründige Charaktere bekommt man zwar weiterhin nicht und mit der Doktorin Nora sowie Ephraim's Sohn Zach, der die Bande aus kernigen Helden immer wieder in brenzlige Situationen bringt, gibt es auch weiterhin zwei Hauptfiguren mit akutem Nervpotenzial. Dafür weiß der Rest aber deutlich mehr zu gefallen: Gerade die zuvor noch so blassen, weil vollkommen überzeichneten Bösewichte wirken hier teilweise deutlich menschlicher und Richard Sammel stiehlt derweil seinen Kollegen recht zuverlässig jede Szene. Ausgebessert wurde auch die wahnsinnig altbackene Inszenierung, die nun wesentlich dynamischer wirkt, sowie der Plot an sich, der nun beginnt, eine echte Geschichte zu erzählen statt einfach nur Genre-Klischees auf stumpfe Art zu vermischen.
Dabei bleibt aber natürlich zu sagen, dass die Geschichte sowohl auf dem Papier als auch in visueller Form nicht wirklich packend ist. Denn obwohl sie dank etwa mehr Zeit für die handelnden Figuren als auch für den großen Mythos drumherum griffiger wirkt, ist sie halt noch immer ein Klischee - und zudem eines, welches die Macher nicht wirklich in den Griff bekommen. Die Fallhöhe zwischen soapig angehauchten Beziehungskrisen und großem Fantasy-Gekröse ist schlichtweg viel zu hoch und es wirkt nicht nur seltsam, sondern in der Tat unfreiwillig komisch, wenn die Hauptfiguren in einer Szene noch einen untoten Vampirlord zu einer großen Schlacht fordern, um fünf Minuten später beim gemeinsamen Cornflakes-Essen ihre Pärchen-Streitigkeiten zu thematisieren. Auch bekommt man als Zuschauer noch immer kaum ein Verständnis für die globale Situation, obwohl uns die Macher solcherlei immer wieder präsentieren. Zwar liegt der Fokus immer wieder auf den politischen Ränkespielen innerhalb dieser tödlichen Vampir-Epidemie, so richtig notgedrungen wirkt aber niemand: Da fahren noch immer die Lieferdienste und Menschen wandeln lachend auf den Straßen, als würde es die Millionen gefräßiger Monsterchen doch gar nicht geben.
Nein, das Gleichgewicht stimmt in der zweiten Staffel von "The Strain" mal so gar nicht und selbst wenn man bezüglich der löchrigen, sich gerne im Kreis drehenden Handlung die Augen zudrücken möchte, so gibt es immer wieder Einzelszenen, die gar eine Beleidigung für den mitdenkenden Zuschauer darstellen können. Das fängt bei den schauspielerischen Leistungen einiger Nebendarsteller an und hört bei den zwar griffigeren, aber auch ziemlich einseitig inszenierten Actionszenen noch nicht auf. Die Dramaturgie der Serie besteht dabei weitestgehend darin, irgendeinen Gegenstand oder einen Obermacker aufzuspüren. Dann kommt es zu einem Kampf, der in einem Remis endet - aus dem Grund, dass die Helden, die zuvor hunderten Vampiren millimetergenau zwischen die Augen schießen konnten, im Grunde nichts mehr treffen, sobald sie mal einen wirklich wichtigen Gegenspieler vor der Flinte haben. Auch einige "überraschende" Wendungen kann man angesichts der vorhersehbaren Drehbücher oft Meilen gegen den Wind kommen sehen. Das alles wäre indes gar nicht so wild, wenn "The Strain" sich nicht so in seiner wahnsinnigen Ernsthaftigkeit suhlen würde. Diese kauft man der Serie angesichts so viele dramaturgischer Patzer und seltsamer Klischees weiterhin nicht ab. Bei all dieser berechtigten Kritik soll aber auch nicht vergessen werden, dass eine Steigerung dank der besser erzählten Geschichte und der charmanteren Charaktere durchaus erkennbar ist. Ich will nur hoffen, dass es mit diesem Aufstieg auch in den beiden kommenden Seasons noch weitergeht - denn das Potenzial ist immer noch da.
Fazit: Weitestgehend besser gespielt, inszeniert und erzählt. Dennoch hat auch die zweite Staffel der Vampir-Serie etliche tumbe Klischees, eine maue Dramaturgie und kargen Horror zu bieten. Das ist dann zwar eine deutliche Steigerung und macht bisweilen Spaß, ist aber weit davon entfernt, das Potenzial der Vorlage auszuschöpfen.
Note: 3
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