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Tyrion Lannister kann auch singen: Filmkritik zu "Cyrano"

Durch seine Worte, seine Künste mit dem Degen und seine allgemeine Klugheit ist Cyrano de Bergerac (Peter Dinklage) beliebt bei der Bevölkerung. Seine Erscheinuung jedoch schreckt die meisten ab und macht Cyrano so zu einem einsamen Mann. Und doch ist er unsterblich verliebt in seine Jugendfreundin Roxanne (Haley Bennett). Diese erwidert seine Liebe jedoch nicht und gesteht ihm stattdessen, dass sie Gefühle für den schönen Kadetten Christian (Kelvin Harrison Jr.) hat. Obwohl Cyranos Herz gebrochen ist, verspricht er Christian, ihm dabei zu helfen, Roxanne zu erobern. Diese legt nämlich Wert auf schöne Worte, welche Christian nämlich nicht beherrscht, weswegen er für diese Lüge dringend die Hilfe des gewieften Cyrano benötigt...

Verfilmungen der bekannten Geschichte des Cyrano de Bergerac gab es schon mehrere, doch diesmal inszenierte Joe Wright die Nummer zum ersten Mal als Musical. Dass das im Kern zu wenige Neuerungen sind, um einer darüber hinaus bekannten Geschichte einen neuen Anstrich zu verleihen, muss kein Kritikpunkt sein, denn etwas, was zuvor schon gut war, muss man nicht zwingend zu verbessern versuchen, da solcherlei Schritte auch nach hinten losgehen können. In diesem Fall ist es jedoch so, dass die oftmals arg angestrengt eingeflossenen Musical-Nummern den Verlauf der klassischen Geschichte eher stören. Das liegt besonders daran, dass die Songs nicht ins Herz treffen und darüber hinaus ziemlich einseitig geschrieben sind, keine echte Kraft besitzen. Die gewohnt pompöse Inszenierung, in denen Wright große Schlachtfelder, Burgen und Fechtkämpfe bebildert, kann mit den eher schwach geschriebenen Songs leider nie Hand in Hand gehen.
An der Geschichte selbst hingegen wurde nur wenig Hand angelegt, was so manch einen Zuschauer womöglich verärgern dürfte - hier wurde nicht zum Dienste der politischen Korrektheit ein klassischer Stoff zu einer modernen Variante umfunktioniert. Dementsprechend regte man sich über die Besetzung eines schwarzen Schauspielers auf, der ohne seinen weißen Kompagnon praktisch aufgeschmissen ist - unnötiger Zorn, wie ich finde, denn eine verlangte Farbenblindheit bei der Besetzung muss in beide Richtungen funktionieren. Zudem harmonieren Kelvin Harrison Jr. und Peter Dinklage in genau diesen Rollenverteilungen ganz wunderbar miteinander, weswegen es nicht lohnt, sich über solcherlei Casting-Entscheidungen aufzuregen. Auch die Rolle der betörenden Dame ist im weitesten Sinne klassisch gehalten - Roxanne ist definitiv keine Sympathieträgerin, sondern eher eine ziemlich oberflächliche Dame, die nach altehrwürdiger Manier erobert werden will. Eine gewisse Eigenständigkeit will sie sich bewahren, tritt dabei auch allerlei anderen Menschen kräftig auf die Füße, was sie nicht unbedingt greifbar macht.
Geerdet wird der insgesamt eher enttäuschende und letztendlich (für solch eine simple und bekannte Geschichte) zu breit und lang erzählte Film von Peter Dinklage. Der aus der Fantasy-Hit-Serie "Game of Thrones" berühmt gewordene Charakterdarsteller ist das Herz und die Seele dieses Films und Dinklage agiert in der Rolle des verschmähten und dennoch wahnsinnig gewitzten Poeten, der noch dazu sehr gut mit einem Degen umgehen kann, absolut umwerfend. Dass seine Performance ohne Makel ist, dürfte keinen Fan wirklich überraschen - dass er darüber hinaus aber auch noch mit einer sehr angenehmen Singstimme aufwartet, habe ich so nicht unbedingt kommen sehen. Gleiches gilt auch für die ohnehin immer gute Haley Bennett: Beide werten die eher bescheidenen und nie wirklich in Schwung kommenden Songs durchaus noch einmal auf. Ein verständlicher Grund, wieso man sich für eine Neuauflage dieser Geschichte entschied, ohne dieser entscheidend Neues beizusteuern, wird durch die beiden aber leider auch nicht wirklich geliefert.

Fazit: "Cyrano" kann sich in dieser Musical-Variante aufgrund wenig ambivalenter Songs und einer altbekannten, in dieser Form zu langgezogenen und einseitig erzählten Geschichte nicht langfristig ins Gedächtnis spielen. Dinklage und Bennett spielen hervorragend, doch darüber hinaus hat Joe Wrights Variante des Stoffes nur wenig zu bieten.

Note: 4+



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