Direkt zum Hauptbereich

Eine knallharte Mutter: Filmkritik zu Netflix' "The Mother" (2023)

Das Leben als Profikillerin birgt eine dauerhafte Gefahr - deswegen hat sich eine Mutter (Jennifer Lopez) nach einem verheerenden Anschlag auf ihr Leben und das ihres damals ungeborenen Kindes dazu entschlossen, dieses nach der Geburt in ein Zeugenschutzprogramm zu übergeben. Zwölf Jahre später droht für Tochter Zoe (Lucy Paez) jedoch eine Gefahr: Mehrere Männer einer Top-Spezialeinheit sind hinter ihr her, um so die Mutter aus der Reserve zu locken und an sie heranzukommen. Die Mutter verlässt ihr geheimes Versteck, um die bei Pflegeeltern aufgewachsene Zoe zu beschützen... und muss dafür in ihren Job als Killerin zurückkehren. Unterstützt von ihrem guten Freund William Cruise (Omari Hardwick) nimmt sie sich die Gangster und ihre Anführer vor und begibt sich auf einen blutigen Rachetrip, der sie endlich auch zu ihrer Tochter führen soll.

Dass Regisseurin Niki Caro sich auf eine saubere Inszenierung versteht, ist bekannt - so war schon ihr Disney-Blockbuster "Mulan" aus dem Jahr 2020 zwar kein hervorragender Film, aber dennoch einer, der wirklich schick aussah und sich auf prachtvolle Actionszenen verstand. "The Mother" hat nun zwar kein solch hohes Budget zugestanden bekommen wie das Disney-Remake, doch Caro's Gespür für schöne Bilder scheint immer wieder durch: Malerische Schneelandschaften, ein Auge für gute Kamerapositionen und immer wieder einige knackige Actionszenen bestimmen einen Großteil des Verlaufs dieses neuen Netflix-Originals. Um sehr wilde Schnitte in diesen Actionsequenzen kommt zwar auch "The Mother" nicht herum, da man aber vorrangig auf gute Handarbeit statt auf verwaschene Visuel Effects setzte, kommen diese immer wieder recht kinetisch daher, auch wenn sich darin kein echtes Highlight so wirklich absetzen möchte.
Diese optische Qualität braucht "The Mother" aber auch dringend, da auf der Handlungsebene mal wieder nur eine altbekannte Schablone geboten wird: Die Geschichte einer eiskalten Profikillerin, die eine Schutzperson begleiten muss und dabei auch ihre warme Seite wiederentdeckt, haben wir schon in etlichen Variationen gesehen und Niki Caro kann diesem alten Hut nun auch keine neuen Seiten abgewinnen. Das ist, von den zahnlosen Dialogen bis zu dem vorhersehbaren Handlungsverlauf, wirklich alles ziemlich altbacken und wird höchstens von dem (mittlerweile aber auch nicht mehr wirklich originellen) feministischen Touch getragen - da darf dann zum Glück eine Frau mal richtig einen auf "Rambo" machen und die männlichen Gegenspieler ohne jedes Zaudern über den Jordan schicken. Da werden dann sogar auch mal unbeteiligte Zivilisten ausgeknockt, um sich ein wichtiges Fahrgefährt zu sichern, was immer wieder einen Hauch von der Härte einbringt, die Liam Neeson in seinem kultigen "96 Hours" zum 1-Mann-Rammbock machte.
Jennifer Lopez bekleidet diese weibliche Variante und macht ihre Sache durchweg sehr gut: Dass sie deutlich mehr kann als viele ihr immer noch zutrauen wollen, kann sie in "The Mother" zum wiederholten Male beweisen und macht dabei auch physisch eine sehr vitale Figur. Von den restlichen Figuren kann man das nicht unbedingt behaupten, wobei das Drehbuch aber auch keiner von ihnen irgendeine Chance gibt, nicht vollkommen austauschbar zu bleiben. Das gilt sowohl für das bedrohte Kind als auch für den sympathischen Gefährten, der aber über seine Loyalität hinaus keinerlei Eigenschaft erhalten darf. Noch schlimmer sieht das bei den Bösewichten aus: Der Plot versucht zwar zeitweise, diesen über eingefädelte Flashbacks eine Art Motivation für ihr finsteres Treiben zu geben, bleibt dabei aber wahnsinnig schwammig. Warum Joseph Fiennes und "Old"-Star Gael Garcia Bernal nun hinter der namenlosen Mutter her sind, scheint ebenso egal wie schwierig zu klären zu sein, weswegen die beiden Stars als Antagonisten auch völlig farblos bleiben. Das führt dann dazu, dass "The Mother" insgesamt als kurzweiliges Action-Vehikel (dem zwanzig Minuten weniger auch noch gut gestanden hätten) zu goutieren ist, aber auch niemals den Versuch unternimmt, auch nur ein bisschen mehr zu sein als absoluter Action-Durchschnitt.

Fazit: Jennifer Lopez macht als Action-Veteranin eine gute Figur, muss sich aber durch einen schnöden Plot kämpfen, der austauschbare Nebenfiguren und altbekannte Manirismen bietet. Schöne Bilder gibts obendrauf, doch darüber hinaus hat "The Mother" nichts zu bieten, was man anderswo nicht besser geboten bekommt.

Note: 4+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Der große Crash - Margin Call

Es gehört schon einiges an Talent dazu, einen Film über eine Schar Anzugträger, die in dialoglastiger Manier das eventuelle, schockierende Ende ihrer Firma aufdecken. Wenn man es falsch angeht, könnte der Stoff arg trocken werden, mal ganz davon abgesehen, dass der Otto-Normal-Zuschauer mit den finanziellen Zusammenbrüchen und all den Zahlen nicht unbedingt umgehen kann. Eine Riege großer Stars kann da schon helfen, die Zuschauer anzulocken, so beweist es zumindest der angenehm ruhige Thriller "Margin Call"... DER GROSSE CRASH - MARGIN CALL Kurz vor der Finanzkrise 2007: In der Wertpapierhandelsabteilung einer großen New Yorker Bank werden etliche Mitarbeiter entlassen, unter ihnen ist auch Risikomanager Eric Dale (Stanley Tucci), der zuvor jedoch noch eine schockierende Entdeckung macht. Seine Arbeit hinterlässt er dem übriggebliebenen Mitarbeiter Peter Sullivan (Zachary Quinto), der die Zahlen überprüft... und dadurch entdeckt, dass der ganze Konzern auf wackligen Fü...