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Philadelphia

Woher kommt diese Angst vor "Andersartigem"? Auch heute, zu Zeiten, in denen Kriegsflüchtlinge verdammt werden und die Furcht vor dem Terror in unserem Land immer größere Ausmaße annimmt, ist dieses große Thema noch aktuell. Natürlich muss man hervorheben, dass die Menschheit mittlerweile weitaus freundlicher ist als noch vor vielen Jahren... dennoch sind wir noch lange nicht am Ziel, wenn man zum Beispiel sieht, dass es in Deutschland noch immer verboten ist, eine Person des gleichen Geschlechts zu heiraten. "Philadelphia" aus dem Jahr 1993 ist deswegen auch heute noch ein Film mit einer extrem aktuellen Thematik, welcher darüber hinaus auch noch fantastische Schauspieler und viele Gefühle bietet.

PHILADELPHIA


Andrew Beckett (Tom Hanks) arbeitet in einer renommierten Anwaltskanzlei und wird von seinem Vorgesetzten Charles Wheeler (Jason Robards) mit einem großen Fall beauftragt. Kurz darauf bricht bei dem heimlich homosexuell lebenden Beckett jedoch die AIDS-Krankheit aus... was den Mitgliedern der Kanzlei auffällt. Kurz darauf wird Beckett der Fall entzogen und er ist seinen Job los. Dies will der schwer kranke Mann nicht auf sich sitzen lassen und verklagt mit Hilfe des Anwalts Joe Miller (Denzel Washington) Wheeler und seine Mitarbeiter. Miller hat jedoch selbst eine bekennende Abneigung zu Homosexuellen und tut sich daher schwer damit, Beckett passend zu unterstützen...

"Philadelphia" gehörte seit jeher zu den großen Lücken in meinem Filmfachwissen. Auch wenn ich mir möglichst alles anschaue, was in der Welt des Kinos Rang und Namen hat (und noch viel mehr darüber hinaus), so ist es eben nie möglich, wirklich alles zu schauen. Mit dem AIDS-Drama von Regisseur Jonathan Demme, welcher wenige Jahre zuvor mit "Das Schweigen der Lämmer" ebenfalls einen Klassiker in einem völlig anderen Genre erschuf, konnte ich diese Lücke nun endlich schließen. Und ich war sehr angetan von dem Film, denn er funktioniert im Grunde von vorne bis hinten und man kann kaum ein Haar in der Suppe finden. Bemängeln kann man vielleicht den ein oder anderen etwas zu pathetischen Moment (etwa wenn Andrew vor Gericht stolz seine Liebe zu dem amerikanischen Gesetz präsentiert) oder auch die recht vorhersehbare Wandlung von Joe Miller, vom homophoben, engstirnigen Anwalt hin zum liebevollen, mutigen Gutmenschen. Generell ist auch die gesamte Handlung recht vorhersehbar, aber "Philadelphia" ist ja schließlich auch kein wendungsreicher Thriller, sondern ein sehr gefühlvolles Drama und dabei spielt er sehr gekonnt und wirkungsvoll auf der Klaviatur der Emotionen. Spannend, stellenweise humorvoll und zwischen den Zeilen auch reichlich bitter und kritisch kann der Film die Gefühle des Zuschauers stets ansprechen und dabei trotz oder auch gerade wegen der sehr schwarz/weiß-gehaltenen Charaktere (die entweder eben fies oder vollkommen gutmütig sind) eine gewisse Faszination verursachen. Inwiefern dies nun etwas mit der grausamen Realität zu tun hat, lässt sich schwer sagen. Als sicher darf jedoch gelten, dass man die schwere Krankheit, welche Beckett mit sich herumträgt, noch nie so realistisch gesehen hat. Die Verwandlung von Tom Hanks vom arbeitswütigen Stehaufmännchen hin zu einem vollkommen gebrochenen, von der Krankheit aufgezehrten Mann, der kaum mehr alleine laufen kann, ist großartig gelungen und hält einige sehr intensive Momente bereit. Tom Hanks kann man für diese Darstellung sicherlich nicht genug loben, ohne störendes Overacting, welches die Emotionen überzogen hätte, schafft Hanks es hier, den Zwiespalt und den Schmerz seiner Figur durchgehend mehr als glaubhaft zu übertragen. Dafür gab es 1993 zu Recht den Hauptdarsteller-Oscar (nur ein Jahr später holte sich Hanks übrigens für "Forrest Gump" direkt die zweite Trophäe). Ihm gegenüber sitzt Denzel Washington, der gefühlt noch mehr Leinwand- und Dialogzeit beansprucht und der im Grunde zumindest auch eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Sicherlich ist seine Rolle im direkten Vergleich einfacher zu spielen, aber seine großartige Leistung soll das nicht mindern, denn Washington spielt sich hier geradezu die Seele aus dem Leib. Über zwei Stunden lang entfesselt sich dabei mit zwei grandiosen Hauptdarstellern in der vordersten Reihe ein packendes, ehrliches Drama mit einem hohem Tempo und wunderbar-gefühlvoll-intensiven Szenarien, bei welchem es zu keiner Minute langweilig wird. Fazit: "Philadelphia" kann nicht alle Klippen der Klischees umschiffen, ist ansonsten jedoch ein großartig-grausames Drama, intensiv inszeniert, fantastisch gespielt und mit großen Emotionen. Vielleicht kein Meisterwerk, aber sehr nah dran.

Note: 2


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