Zwei Genres miteinander zu vermischen, die eigentlich so gar nicht zueinanderpassen, kann entweder katastrophal nach hinten losgehen oder aber ein Mordsspaß werden. Nun sind die Meinungen immer verschieden, aber es gehört zumindest mal die Kreativität und letztendlich auch der Mut der Geldgeber, ein solches Projekt zu fördern, gelobt. Denn sie zeigen, dass man mit ein bisschen Hirnschmalz eben auch einen Film wie beispielsweise "Warm Bodies" erschaffen kann, wo plötzlich die Genres Romantic Comedy und Zombie-Horror Hand in Hand gehen. Nach einem ähnlich kruden Projekt klang auch der 2011 in den Kinos erschienene "Cowboys & Aliens", der Western und Sci-Fi verweben wollte, dabei aber auf arg mittelmäßigem Trash-Niveau scheiterte...
COWBOYS & ALIENS
Jake Lonergan (Daniel Craig) erwacht mitten in der Wüste, ohne Gedächtnis. Er weiß weder, wer er ist noch wo er herkommt und wundert sich zudem über ein seltames, metallanes Gerät, welches sich um sein Handgelenk geschlossen hat. Offenbar hat er auch Wunden in einem Kampf davongetragen, die er in der nahen Stadt Absolution versorgen will. Dort wird er jedoch gesucht und letztendlich von Sheriff John Taggart (Keith Carradine) eingesperrt. Beinahe gerät er auch in die Hände des grummeligen Geschäftsmanns Woodrow Dolarhyde (Harrison Ford), als die Nacht von seltsamen Lichtern und einer Attacke von gefährlichen Flugobjekten durchbrochen wird. Lonergan gelingt es, eins der Dinger abzuschießen, etliche Stadtbewohner werden jedoch verschleppt. Um die Menschen zu befreien und es mit den unbekannten Feinden aufzunehmen, müssen sich Lonergan und Dolarhyde zusammentun...
Tatsächlich beruht auch dieser Film auf einer Comicvorlage, die hierzulande aber weitestgehend unbekannt ist und in Sachen Plot auch kaum etwas bietet, was man passend fürs Mainstream-Kino hätte aufarbeiten können. Daher änderten "Iron Man"-Regisseur Jon Favreau und sein Team im Grunde alles bis auf die krude Ausgangssituation, in der Aliens in den Wilden Westen einfallen, ab und strickten sich drumherum eine ganz eigene Geschichte mit eigenen Charakteren. Diese fällt nun erwartungsgemäß lau aus und kann nur in der ersten halben Stunde, wenn Favreau sich zumindest noch müht, den zahlreichen Charakteren ein ambivalentes Gesicht zu geben und zudem auch noch ein paar Mysterien streut, einigermaßen packen. Der Western-Charme kommt ganz gut rüber, auch wenn natürlich mit deutlichen Klischees gespielt wird - die gehören in einen solchen Film aber eben auch irgendwie rein.
Sobald die Aliens und deren Raumschiffe, die Menschen entweder entführen oder sie in gewaltigen Explosionen zugrunde gehen lassen, dann schließlich die Bühne betreten, lässt der Film solcherlei Ansätze aber weitestgehend unter den Tisch fallen und wandelt sich in ein Sci-Fi-Werk, in welchem die Reise der nun zusammenhaltenden Figuren im Vordergrund steht. Diese kann besonders im Mittelteil, wenn sich Lonergan, Dolarhyde und deren Gefährten immer wieder mit neuen Feinden und Herausforderungen konfrontiert sehen, den Eindruck einer dünnen Nummernrevue nicht ganz abstreifen. So etwas wie ein roter Faden ist nur durch das gemeinsame Ziel auszumachen, eine wirklich konzentrierte Handlung geht zwischen der ersten halben Stunde und dem letztendlichen Showdown aber recht deutlich flöten.
Das ist ziemlich schade, da sich zuvor zumindest das Potenzial für einen soliden Abenteuerfilm der Marke "skurill" angeboten hätte. Leider nehmen die Macher ihren absolut sinnfreien Plot, der später noch mit einigen abstrusen Wendungen verschlimmert wird, viel zu ernst, verlassen sich zu selten auf den kernigen Charme, den seine beiden Hauptdarsteller hier verstreuen wollen. Und auch in den Actionszenen gibt es wenig frisches Blut zu bewundern, abgesehen davon, dass eben dieses für einen Mainstream-Film, der in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben wurde, doch recht häufig fließt und Handlungsträger mal auch mit überraschender Brutalität aus dem Film herausgemeuchelt werden. Die Kämpfe zwischen berittenen Cowboys und kreischenden Aliens lassen sich auf Dauer eben nur auf so und so viele Arten inszenieren und dank des höchstens durchschnittlichen CGI's und einiger eben auch nur solider abgefilmter Actionszenen hält sich das Staunen recht deutlich in Grenzen.
Und genau an dieser Stelle hätte man mit einigen visuellen Highlights protzen müssen, da der Plot ab der Halbzeit schon lange nicht mehr trägt und erst pünktlich zum Finale ansatzweise so etwas wie Interesse erneut entfacht wird. Zuvor schlagen wir uns jedoch durch einige Längen und sehen brillanten Schauspielern wie Sam Rockwell, "Dexter"-Star Keith Carradine und Paul Dano dabei zu, wie sie in konturlosen Nebenrollen ihr Talent verschleudern müssen. Man mag an dieser Stelle erneut den Mut aller Beteiligten loben, sich für ein solch skurilles und eben auch gewagtes Projekt einzulassen. Man hätte eben diesen Beteiligten aber auch gewünscht, dass dabei ein frecherer, spannenderer und schlichtweg besserer Film herausgekommen wäre, denn das hier ist über weite Strecken schlichtweg langatmiger und sich selbst viel zu ernst nehmender Edel-Trash.
Fazit: Weder optisch noch in Sachen Plot bietet "Cowboys & Aliens" wirklich Aufregendes und auch die Verschmelzung zweier so abwegiger Genres fällt wegen dem geringen Humorgehalt weniger charmant aus als gehofft. Da verkommen auch die namhaften Stars zu grummeligen Statisten.
Note: 4
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