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Das Leben ist schön (1997)

Zumeist werden die alljährlichen Oscars unter den amerikanischen Filmen aufgeteilt, scheint die Jury, die jährlich um weitere Juroren wächst, doch wesentlich empfänglicher für die Werke aus dem eigenen Land zu sein. Der Preis für den besten fremdsprachigen Film führt alljährlich aber auch Filme aus aller Herren Länder zusammen... und manchmal ist einer dieser Kandidaten gar so gut, dass er auch unter den restlichen Nominierungen mitmischt. Zuletzt gelang dies zum Beispiel Alfonso Cuarons "Roma", der sogar als einer der Favoriten ins Rennen ging. Bei der Verleihung im Jahr 1999 war es aber noch prägnanter: Die italienische Tragikomödie "Das Leben ist schön" sammelte drei Oscars ein, war für vier weitere Preise nominiert und gilt bis heute als herzlicher und grandios packender Klassiker seines Genres.

DAS LEBEN IST SCHÖN


Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebt der jüdische Italiener Guido Orefice (Roberto Benigni) in seinem Heimatdorf mit Humor, Optimismus und dem ständigen Drang, etwas Neues zu erleben und seinen Mitmenschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Durch einen Zufall lernt er die Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi) kennen, verliebt sich auf der Stelle in sie und bemüht sich, ihr den Hof zu machen... was noch zu einigen Komplikationen führen soll. Währenddessen droht die dunkle Wolke des Krieges bereits am Horizont, von der sich Guido jedoch nicht einschüchtern lässt. Als die Nazis in Italien einmarschieren, ist jedoch auch er nicht gefeit, wobei er sich ihren Methoden mit dem eigenwilligen Witz und einem kleinen Spiel entgegensetzt.

Drei Oscars sammelte "Das Leben ist schön" im Jahr 1999 unter solch enormer Konkurrenz wie "Der Soldat James Ryan" und "Shakespeare in Love" ein und gewann dabei, wie zu erwarten, den Preis für den besten fremdsprachigen Film sowie den Musikoscar und den Preis für den besten Hauptdarsteller. Tatsächlich hat sich Roberto Benigni mit seiner absolut famosen Darstellung längst unsterblich gemacht: Mit einem schlichtweg altmodischen und dennoch ungemein charmanten und gewitzten Comedy-Timing, bei welcher Herz und Humor aus jeder Pore sprühen, wirft er sich in der ersten Hälfte des zweistündigen Films in eine schier herrliche und temporeiche Romanze. 
Das hat schon fast den Flair der guten, alten Kinozeit, wenn ein unbedarfter und über Grenzen gehender Kerl alles daran legt, eine Frau für sich zu erobern. Hier sprüht "Das Leben ist schön", trotz einer zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise sehr geringen Handlung, vor Leben und Charme. Man schwingt sich zu einer cleveren Slapstick-Komödie hin zu einer herzlichen Romanze, mit einem wundervollen Soundtrack, einer einfallsreichen Regie und etlichen Verbeugungen vor der großen Kinogeschichte, bis es schließlich, pünktlich zur Halbzeit, in die Dramarichtung abbiegt. Diese deutet sich vorher, durch Verweise auf die historischen Bezüge, bereits an und lässt durchgehend eine Art finsteren Schleier über dieser ansonsten heiteren Geschichte liegen - und dieser Schleier entlädt sich schließlich, wenn die Reise eine keinesfalls überraschende, aber dennoch äußerst schockierende und bewegende Wendung nimmt. 
Wie Benigni, der hier auch die Regie übernahm, angesichts dieses furchtbaren und grausamen Themas, dessen brutale Realität er hier auch nicht beschönigt, aber trotzdem noch mit so viel Witz agiert, so viel Herz, ohne dabei kitschig zu werden, das verdient schon einmal Lob. Dass er es schafft, quasi die perfekte Balance der ausweglosen Gefangenschaft und des Mutes und ständigen Weitermachens von Vater und Sohn zu halten, tut dies ebenfalls. Benigni verfängt sich keinesfalls in den Stricken verschiedener Genres, er verwebt sie schlichtweg kongenial miteinander. Dass es dem Film im Grunde an einer komplexeren Handlung mangelt und das Gezeigte eigentlich viel zu simpel ist, um auf eine Laufzeit von zwei Stunden ausgeweitet zu werden, wird hier glatt übersehen. Denn obwohl Benigni seine Geschichte sicherlich kürzer hätte fassen können, will man angesichts dieser vielen Ideen, der Herzlichkeit und des ungemeinen Dramas, welches sich nach und nach eben erst deswegen so gut entwickeln kann, weil man sich zwischendurch immer wieder viel Zeit für Haupt- und Nebenfiguren nimmt, keine Minute missen. 
Kritikpunkte muss man hier anschließend mit der Lupe suchen, doch sind sie auffindbar: Eine tragische Wendung während des Finales wird etwas zu rasch abgetan, aus rein dramaturgischer Ebene schöpft der Film gerade in einer essentiellen Schlüsselszene also nicht aus den Vollen. Auch einige Nebenfiguren hätten sicherlich noch ein wenig Feinschliff vertragen - so stehen zwar Guido und sein Sohn voll im Mittelpunkt, was dem Plot sehr gut tut, es fehlt jedoch ein wenig an erfrischenden Helfern und Gegenspielern.

Fazit: Eine Tragikomödie, die ans Herz, an die Lachmuskeln und an die Nieren geht und sich dabei nicht verhaspelt. Grandios gespielt von einem brillant aufgelegten Roberto Benigni in der Rolle seines Lebens sehen wir einen Film, der ungemein wichtig ist, dabei aber so leichtfüßig agiert, wie es nur wenigen anderen Werken gelingt.

Note: 2+




Kommentare

  1. Der Film ist großartig. Berührend und tragisch und humorvoll zugleich. Ich sollte ihn mir einmal wieder ansehen.
    Danke, dass du auch solche Filme hier einmal vorstellst.
    LG
    Sabienes

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