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Endlich (etwas) mehr als der Neeson-Standard: Filmkritik zu "Memory - Sein letzter Auftrag"

Jahrelang hat Alex Lewis (Liam Neeson) als Auftragskiller gearbeitet, doch nun scheint ihm eine langsam auftretende Alzheimererkrankung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Als er zudem auch noch den Mord an dem jungen Mädchen Beatriz (Mia Sanchez) verweigert, bringt er seine Auftraggeber gegen sich auf... und stellt sich gegen diese. Dabei versucht Lewis auch, dem FBI wichtige Tipps zu geben, damit diese, die zuvor schon im Falle von Beatriz ermittelten, endlich auf die Spur der einflussreichen und wohlhabenden Drahtzieher gelangt. FBI-Agent Vincent Serra (Guy Pearce) heftet sich dabei jedoch auch an Lewis' Fersen, um diesen aufgrund seiner früheren Verbrechen dingfest zu machen... und zudem weitere Rache-Morde zu verhindern, die dieser nun gegen seine ehemaligen Kollegen ausübt.

Dass man das noch erleben darf - ein weiterer Neeson-Thriller, der scheinbar ganz und gar auf den mittlerweile siebzigjährigen Recken zugeschnitten ist, der diese Actionfilme im Herbst seiner Karriere gefühlt im Monatstakt anführt... und gar einer, der dann doch nicht so generisch wie das Gros der Werke ist, die der ehemalige "Star Wars"-Schauspieler sonst so rausbringt. Das liegt zum einen daran, dass Neeson selbst hier beinahe gar nicht mehr der eigentliche Hauptdarsteller ist, sondern irgendwo zwischen dem üblichen, kantigen Helden und einem ziemlich grantigen Rache-Egomanen agiert. Die wirkliche Heldenfigur, wenn man das so nennen darf, gebührt indes Guy Pearce, der auf mindestens ebenso viel Leinwandzeit kommt und dem Film dabei eine recht frische Note verleiht. Als heruntergekommener FBI-Agent, der in den Fällen missbrauchter Kinder agiert, gibt er nämlich einen durchaus starken Konterpart zu Neesons ansonsten wieder recht altbekanntem Charakter ab.
Dieser Alex Lewis wird nur dadurch ein wenig greifbarer, weil er eben auch mit einer Krankheit zu kämpfen hat, die das Finden seiner Autoschlüssel zu einer größeren Herausforderung macht als das Ermorden eines suspekten Krankenhausbesuchers. Leider macht das Drehbuch aus dieser netten Idee aber zu wenig - die Szenen, in denen sich Lewis wirklich mit seiner Alzheimer-Erkrankung auseinandersetzen muss, kann man so ziemlich an einer Hand abzählen. Zudem büßt das Drehbuch nach einer doppelten Intro-Sequenz, welche die beiden Hauptfiguren durchaus effektvoll einführt, ordentlich an Tempo ein. Bis der Film die verschiedenen Hintermänner und -frauen eingeführt hat, um das große Kriminalgespinst einigermaßen greifbar zu machen, vergeht viel Zeit. Zeit, in denen Alex Lewis meist einen Mord nach dem anderen begeht, während das FBI fortwährend im Dunkeln tappt. Erst später kommt "Memory" dann wieder einigermaßen in Fahrt, ohne zu große Überraschungen in petto zu haben, aber durchaus markante Spannungs-Eckpfeiler zu setzen.
Die Actionszenen sind dabei, anders als es der Trailer suggeriert, eher rar gesät. Wenn es dann aber mal knallt, dann sind diese Momente durchaus wuchtvoll inszeniert, was wenig erstaunt, aber dennoch erfreut. Denn schließlich sitzt hier Martin Campbell auf dem Regiestuhl, der mit Daniel Craigs erstem Bond-Einsatz "Casino Royale" bewies, dass er sich auf wuchtige und abwechslungsreiche Actionsequenzen versteht. Allerdings hat er danach mit mauen Werken wie "Green Lantern" oder "The Protege" durchaus auch inszenatorische Mangelware abgeliefert, weswegen man froh sein darf, dass Campbell hier zumindest wieder einigermaßen in seinem Element ist. Und so fühlt sich "Memory" dann auch deutlich packender und energiegeladener an als viele der anderen, generischen Thriller mit Liam Neeson in der Hauptrolle - und das, obwohl dieser hier nicht mal auf den Sprung auf die große Leinwand geschafft hat, sondern sogleich auf DVD und Bluray veröffentlicht wurde. Angesichts der großen Namen vor und hinter der Kamera erstaunt das zwar, ändert aber nichts am Gesehenen. Und das ist, trotz dramaturgischer Schwächen, ziemlich solide und somit besser als erwartet.

Fazit: Nach einem packenden Auftakt wird das Tempo sträflich rausgenommen, später aber zum Glück wiedergefunden. Dank spielfreudiger Nebendarsteller*innen, die den teils etwas zähen Plot ausgleichen, ein solides Thriller-Vergnügen mit wenigen, aber dafür knackigen Actionszenen.

Note: 3



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