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Typische deutsche RomCom: Filmkritik zu "Vaterfreuden"

Junggeselle Felix (Matthias Schweighöfer) hatte eigentlich nie den Wunsch, eigene Kinder zu bekommen. Als er eines Tages aufgrund eines Unfalls jedoch sterilisiert wird, erkennt er, was ihm dadurch für die Zukunft verwehrt bleiben könnte. Da er zuvor, um seine Finanzen aufzubessern, eine Samenspende abgegeben hat, hat er aber immerhin noch die Hoffnung, diese zurückzuerhalten, um doch noch ein Kind bekommen zu können. Allerdings findet Felix' Bruder Henne (Friedrich Mücke) bei einer Recherche heraus, dass die Fernsehmoderatorin Maren (Isabell Polak) die Spende bereits in Anspruch genommen hat. Als letzte Chance für ein eigenes Kind versucht Felix, in Kontakt mit der Frau zu treten, geht dabei aber ziemlich tollpatschig vor. Zudem droht schließlich auch Ärger mit Marens eifersüchtigem Partner Ralph (Tom Beck)...

Gleich in der ersten Szene dieser deutschen RomCom findet eine Vergewaltigung statt. Das mag nun ziemlich krass klingen, ist aber prinzipiell so... auch wenn der Film versucht, diese Tat in irgendeiner Form "witzig" und "verrückt" darzustellen. Nach zwei Minuten meinte ich also schon zu wissen, in was für einer Art Film ich mich hier befinde - irgendetwas zwischen den schlechtesten Werken eines Til Schweiger und einer geschmacklosen Gaga-Komödie. Ganz so schlimm wird es im weiteren Verlauf zum Glück nicht und die Eröffnungsszene bleibt zum Glück der einzige, richtig widerliche Aussetzer. Was natürlich nicht heißt, dass "Vaterfreuden" anschließend zu einem guten Film wird, sondern nur, dass er nicht ganz so ekelhaft daherkommt wie das, was Til Schweiger zuletzt zum Beispiel mit seinem abartigen "Klassentreffen 1.0" ablieferte. Wenn das jedoch die Messlatte sein soll, dann ist das natürlich auch kein gutes Zeichen - nur weil ein Film keine komplette Bauchlandung hinlegt, ist das Projekt ja nicht gleich ein qualitativer Erfolg.
Und so finden wir die typischen Versatzstücke einer deutschen Popcorn-Komödie auch hier wieder: Es gibt eine kitschige Liebesgeschichte, die sich vor allem durch Binsenweisheiten und streng aufgelegte Lebenspflichten weiterentwickelt, wobei das zentrale Pärchen praktisch keine Chemie zueinander entwickelt. Durchzogen wird diese Handlung dann mit den üblichen, übertriebenen Comedy-Einlagen, wobei in Geschlechtsteile gebissen wird oder Autounfälle verursacht werden. Und dann gibt es natürlich ein Drama zum Überziehen, welches auf die Tränendrüse drücken und uns vorgaukeln soll, dass das hier eine ganz und gar tiefgründige Geschichte darstellt. Das kennen wir alles schon und es ist hier nicht besser oder schlechter inszeniert als in anderen deutschen Filmen dieser Art. Wer sowas mag, bekommt hier also etwas für den eigenen Geschmack. Wer mit den Werken von Schweiger, Schweighöfer und Co. nichts anfangen kann, kriegt hier aber auch nichts, was irgendwie goutierbar wäre.
Neben einigen Geschmacksverirrungen beweist Schweighöfer (der hier nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch Regie führte) aber auch, dass er hin und wieder auch liebenswürdige Szenen erschaffen kann. So geht die Beziehung, die sich zwischen Felix und seiner Patentochter Leonie entwickelt, tatsächlich irgendwie ans Herz. Natürlich ist das mal wieder hochkitschig inszeniert mit all den warmen Sommerbildern und dem Pop-Soundtrack... aber das passt hier dann irgendwie auch. Zudem landen einige Gags tatsächlich relativ solide und die natürliche Performance von Schweighöfer selbst, der sich (anders als der berüchtigte Schweiger) nicht als den ewigen, ekligen Frauenhelden inszeniert, weiß dabei auch zu gefallen. Letzten Endes ist das dann aber doch nicht der Rede wert und ich verweise stattdessen lieber auf Schweighöfers Auftritt bei "Circus Halligalli" im Jahr 2014. Denn sein Versuch, eben diesen Film bei seinen Freunden Joko und Klaas zu promoten, ist deutlich witziger und frecher als der letztliche Film selbst. Und das mag auch schon wieder etwas heißen... wobei es sich natürlich auch nicht lohnt, sich darüber noch aufzuregen.

Fazit: Trotz manch eines liebenswürdigen Moments verirrt sich auch diese Schweighöfer-Comedy in den typischen Manirismen einer deutschen Komödie - Zoten-Gags, kitschiges Drama, eine schwülstige Lovestory, eine klischeehafte Inszenierung. Das ist manchmal regelrecht ärgerlich, hin und wieder finden sich aber tatsächlich einige (wenige) herzliche Szenen.

Note: 4



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